Sport : Tore gegen Hektik

Leverkusen schlägt Hannover 4:0 und bleibt ohne Punktverlust Erster

Erik Eggers

Leverkusen. Klaus Augenthaler ließ das Geschehen nach dem Abpfiff kalt und verschwand umgehend in die Katakomben der Bayarena. Dass die Zuschauer derweil den klaren 4:0 (2:0)-Sieg Leverkusens gegen Hannover 96 beklatschten, nahm der Trainer lediglich zur Kenntnis. Es war der fünfte Sieg im fünften Spiel unter seiner Führung, Leverkusen verteidigte souverän die Tabellenführung, dazu tat die Mannschaft schon etwas für das Torverhältnis. Der Coach aber grantelte weiter, auch wenn seine Kritik im Vergleich zur herben Nachbetrachtung des Auswärtsspiels in Frankfurt ein wenig milder ausfiel. „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen“, lautete das Fazit des 45-Jährigen.

Dabei hatte sein Team den Gast am Anfang förmlich überrannt. Speziell Franca setzte zunächst Akzente: Nachdem der Stürmer sich den Ball im Mittelkreis erkämpft hatte, passte er gefühlvoll auf die linke Seite zu Marko Babic, lief steil in die Spitze, forderte im gleichen Zug vehement das Spielgerät und schoss dann aus vollem Lauf aus 14 Metern mit links in die linke Ecke.

Da waren erst 105 Sekunden gespielt, und als Neuville schon in der 9. Minute nach famosem Doppelpass mit Franca aus kurzer Distanz das 2:0 erzielte, da schien bereits alles gelaufen zu sein für die zuletzt hochgelobte Elf Ralf Rangnicks. Kaum jemand glaubte noch an ein Aufbäumen des Gastes.

Leverkusen aber übte trotz dieser Führung keine Dominanz aus, sondern wirkte seltsam hektisch und unkoordiniert. Hannover hätte kurz vor der Pause wieder ins Spiel kommen können, aber Brdaric scheiterte an Butt (38.), und nach einem Fehlpass des Leverkusener Torhüters konnte De Guzman den Ball aus 35 Metern nicht im freien Tor unterbringen. „Zur Pause haben wir noch an unsere Chance geglaubt“, meinte Ralf Rangnick später. Aber im Grundsatz fehlte seinem Team die letzte Konsequenz.

So verlagerte sich das Spiel wieder in die Hälfte der Gäste. In der 52. Minute setzte sich Babic auf links durch und bediente – Franca hatte klug durchgelassen – mit einem Rückpass Neuville, der mit einem Schlenzer aus 14 Metern sein drittes Saisontor erzielte. Auch am 4:0 in der 73. Minute war der überragende Franca entscheidend beteiligt: Seinen perfekt getimten Steilpass schob Bierofka problemlos ein. Als Franca ausgewechselt wurde, schlug ihm kollektiver Jubel entgegen, die Haupttribüne erhob sich zu Ovationen. In der letzten Saison wurde er noch ausgepfiffen. Auch das macht den Reiz des Fußballs aus: Dass sich schlechte Zeiten so schnell in gute verwandeln.

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