Sport : Tore mit Lack

Stürmer Patrick Helmes kommt bei Bayer in Fahrt

Richard Leipold[Leverkusen]

Als Patrick Helmes in der 67. Minute seinen Dienst beendete, musste er lächeln. Und Bruno Labbadia, der ihn vom Platz beordert hatte, musste auch lächeln. Der Stürmer und der Trainer von Bayer 04 Leverkusen hatten gut lachen, weil sie sich an einen kurzen Dialog aus der Halbzeit erinnerten. Ein Tor genüge nicht, hatte Labbadia seinem hochveranlagten Angreifer mit auf dem Weg gegeben. „Sieh zu, dass du noch ein zweites machst.“ Nicht dass Labbadia auch nur eine Minute lang um den Sieg hätte bangen müssen. Die Hannoveraner waren von Anfang an zu furchtsam, zu fahrig aufgetreten, um den Sturmlauf der Heimelf nach den beiden Treffern von Rolfes und Helmes vor der Halbzeit noch aufhalten zu können. Unabhängig davon, ob der Gegner so mitspielt oder eben nicht mitspielt wie die Niedersachsen beim 0:4 gegen Bayer ist Labbadia bestrebt, Helmes zu mehr Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit zu erziehen, auf dass aus dem Talent ein vortrefflicher Schütze werde.

Helmes hatte verstanden. So ging er hinaus auf den Rasen der Bayarena und erzielte zwei weitere Treffer. Unmittelbar nach seinem dritten Tor, dem insgesamt sechsten im fünften Ligaspiel, durfte er sich auf die Bank zurückziehen, um Kraft für kommende Aufgaben zu sparen. Als er dem Trainer auf dem Weg zur Bank in die Augen blickte und sie einander angrinsten, sagte Labbadia kurz und knapp: „Auftrag erfüllt.“

Helmes hatte den Plan an diesem beschwingten Bayer-Abend sogar übererfüllt. Aber das ist kein Grund, sich überschwänglich feiern zu lassen oder gar zu glauben, der Trainer lasse ihm nun mehr durchgehen als sonst. Helmes, ein einfacher kölscher Junge, sagte, er könne die zuweilen strengen Züge Labbadias verstehen. „Der Trainer war ja früher selbst Stürmer.“ Also wisse er am besten, wie mit dieser Art von Spielern umzugehen sei. „Wenn ich im Training mal Larifari mache, gibt es richtig Lack.“ Auch wenn das manchmal nötig ist, schätzen die Leverkusener Verantwortlichen sich glücklich, den 24 Jahre alten Nationalspieler nach langem Gezerre aus seiner Heimatstadt vom 1. FC Köln losgeeist zu haben. „Wenn er noch mehr an sich arbeitet, hat er eine große Zukunft vor sich“, sagte Labbadia, und auch Helmes glaubt daran: „Männer wie Sportdirektor Rudi Völler wissen schon, dass sie keinen Vollblinden holen.“

Sportdirektor Völler wusste auch, warum er den Vertrag mit einem Spieler dieser Klasse zu verbesserten Konditionen verlängern musste, auch wenn er ihn gerade erst verpflichtet hat. Tags zuvor hatte Bayer sich mit Helmes darauf geeinigt, die ursprünglich bis 2012 datierte Bindung um ein Jahr auszudehnen. „Da es so viele reiche englische Klubs gibt, wollten wir keinen falschen Eindruck aufkommen lassen“, sagte Völler. Natürlich wollte er sich nicht selbst zu diesem Schritt gratulieren, aber eine gewisse Zufriedenheit konnte der Sportdirektor nicht verbergen. Angesichts dieses Spiels sei er froh, schon am Donnerstag zum Abschluss gekommen zu sein und nicht erst am Montag, sagte Völler. „Jetzt schlafe ich besser.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar