Sport : Tore schießen Geld

Durch den Sieg gegen Lissabon nimmt das hochverschuldete Schalke mehr Millionen ein als geplant

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Das Gegenteil von Fado. Der Schalker Benedikt Höwedes feiert seinen Treffer zum 2:0 gegen Benfica Lissabon. Foto: Reuters
Das Gegenteil von Fado. Der Schalker Benedikt Höwedes feiert seinen Treffer zum 2:0 gegen Benfica Lissabon. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Es schien, als hätten die Spieler noch einen dringenden Termin. Nach dem 2:1 bei Benfica Lissabon und Tabellenplatz eins in der Gruppe B der Fußball-Champions League wirkten die Profis des FC Schalke 04 so, als hätten sie gerade einen Pflichtsieg zustande gebracht, über den sie nicht weiter reden wollten. Dabei hätte die Mannschaft erstmals in dieser Saison guten Grund gehabt, sich für ihre Leistungen loben zu lassen. Mit 13 Punkten aus sechs Champions-League-Partien haben die Schalker nahezu problemlos das Achtelfinale erreicht. „Wir haben auch nur drei Gegentore bekommen“, bemerkte Christoph Metzelder nicht ohne Stolz.

Die Treffer gegen die Portugiesen erzielten am Dienstagabend José Manuel Jurado und Benedikt Höwedes. Damit können die Schalker gelassen auf die Auslosung der nächsten Runde am 17. Dezember blicken. Während in der Bundesliga zuletzt dunkelste Szenarien wie Abstiegskampf und vermeintliche Straftrainingseinheiten den grauen Alltag der Schalker bestimmten, scheint für die Westfalen in der höchsten europäischen Spielklasse die Sonne in den schönsten Farben. „Zufriedenheit ist das bestimmende Gefühl“, sagte dann auch Trainer Felix Magath, der sich bestens gelaunt mehr Zeit nahm für die Analyse. „Wir haben gezeigt, dass wir international mithalten können. Das ist das, was wir wollten.“ Zumindest in diesem Wettbewerb hat der Totalumbau des Teams keine einschneidenden und unerwünschten Nebeneffekte gehabt.

Doch nicht nur die sportliche Bilanz war dafür verantwortlich, dass Felix Magath an diesem Abend in Portugal sanftmütig wie lange nicht auftrat. Denn auch die Klubkassen haben sich wieder aufgefüllt. „Selbstverständlich ist Geld ein wichtiges Thema. Wir haben sicher fünf Millionen Euro mehr als geplant eingenommen“, sagte der Trainermanager lächelnd.

Der exakte Betrag lässt sich noch nicht sagen, da der den Schalkern zustehende Anteil aus dem Marktpool für die drei deutschen Mannschaften (47 Millionen Euro) nach einem komplizierten Schlüssel erst noch errechnet werden muss. Mindestens aber 15 Millionen Euro dürfte der hoch verschuldete Klub erhalten. Zudem hat die Mannschaft allein 13,7 Millionen Euro an Prämien und weitere sechs bis acht Millionen Euro aus Zuschauereinnahmen erwirtschaftet.

Damit hat Felix Magath die Investitionen, die er im Sommer zur radikalen Kaderumgestaltung aufgewendet hatte, refinanziert. Für rund 37 Millionen Euro hatte der 57-Jährige unter anderem Spieler wie Jurado oder Angreifer Klaas-Jan Huntelaar verpflichtet und Profis wie Heiko Westermann oder Rafinha für 16 Millionen Euro verkauft. Die angespannte Lage rund um den Verein entspannt sich mit Erfolgsmeldungen ein wenig. Insgesamt wirkt die Mannschaft in den vergangenen Wochen, mit Ausnahme des 0:5 beim 1.FC Kaiserslautern, auch in der Bundesliga ein wenig gefestigter. „Wir haben mittlerweile zusammengefunden. Ich hoffe, dieser Erfolg gibt uns genügend Sicherheit für das kommende Spiel in Mainz“, sagte Magath.

Bisher ist es den Schalkern noch nicht gelungen, nach einem Sieg in der Champions League auch die nächste Partie in der Bundesliga zu gewinnen. Doch Schalkes Torhüter Manuel Neuer, der am Gegentreffer von Luisao kurz vor dem Ende machtlos war und ansonsten einen ruhigen Abend verlebt hatte, versuchte kurz vor der Abfahrt ins Mannschaftshotel noch Optimismus zu verbreiten. „Wir haben uns stabilisiert. Wenn man die Entwicklung in den letzten Wochen sieht, kann das gerne so weitergehen“, sagte er. Der FSV Mainz 05 wird das mit Interesse vernommen haben.

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