Sport : Tore schützen vor Strafe nicht

Schiedsrichter Krug über zwei Handspiele im Strafraum

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NACHSPIEL

Erste Halbzeit im Rostocker Ostseestadion: Der Wolfsburger Biliskov versucht auf der eigenen Torlinie mit der Hand einen Gegentreffer zu verhindern, doch der Ball fällt zum 0:1 ins Tor. Biliskov bleibt straffrei. Zweite Halbzeit im Niedersachenstadion: Dortmunds Madouni verhindert mit einem Handspiel, dass Hannovers Brdaric im Strafraum an den Ball kommt. Schiedsrichter Stark verhängt Elfmeter und zeigt Madouni nur die Gelbe Karte, obwohl er eine Torchance vereitelte. Sind beide Spieler mit den Gegentreffern schon genug bestraft, Herr Krug?

Nein, das Regelwerk schreibt in beiden Fällen persönliche Strafen vor, ungeachtet der Tatsache, ob der Ball im Tor ist oder ob ein Elfmeter verhängt wird. Biliskov hätte auf jeden Fall mit Gelb verwarnt werden müssen, da er versucht hat, durch absichtliches und unsportliches Handspiel ein Tor zu verhindern. Wäre ihm dieses Unterfangen gelungen, hätte er wegen Verhinderung eines Tores zwingend Rot sehen müssen. Es könnte allerdings sein, dass Schiedsrichter Wack geglaubt hat, Biliskov stehe bereits hinter der Torlinie. Dann wäre das Handspiel nicht mehr strafbar.

Der Spieler Madouni hingegen hat zu Recht die Gelbe – und nicht die Rote Karte gesehen. Denn der Dortmunder hat mit seinem Handspiel keine glasklare Torchance von Hannover vereitelt. Von einer glasklaren Torchance sprechen wir, wenn zu hundert Prozent feststeht, dass der unfair um den Ball gebrachte Spieler in den nächsten ein oder zwei Sekunden ein Tor hätte erzielen können. Dass der Ball Brdaric zur Torerzielung genau erreicht hätte, darüber lässt sich nur spekulieren.

Brdaric hat später in einem Fernseh-Interview gesagt, dass er den Ball natürlich ins Tor geköpft hätte. Dieser Satz ist aber für den Schiedsrichter völlig ohne Belang. Was glauben Sie, was Frank Mill geantwortet hätte auf die Frage, ob er ein Tor erzielen würde, als er alleine im Münchner Olympiastadion aufs leere Tor zulief? Gelandet ist der Ball aber am Pfosten.

Hellmut Krug (47) erklärt im Wechsel mit Manfred Amerell eine aktuelle Szene des Spieltages. Krug pfiff selbst 17 Jahre in der Bundesliga. Foto: dpa

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