Sport : Tore statt Taktik

Hertha begeistert beim Nürnberger Hallenturnier

Oliver Renn[Nürnberg]

Anfangs taten sich die Berliner mit dem Hallenfußball schwer. So sorgte der Brasilianer Gilberto mit einem irregulären Einwurf statt eines Einrollers für herzhafte Lacher unter den 7000 Zuschauern in der Arena Nürnberg. Auch wenn sich die Bundesligaspieler aus Berlin mit den taktischen Gepflogenheiten in der Halle nicht so recht anfreunden wollten, sorgten sie mit technischen Kunststückchen für Begeisterung. Die wilde Spielfreude reichte für den dritten Platz vor dem 1. FC Kaiserslautern.

Nicht alle Mannschaften verbreiteten so viel Heiterkeit wie die Berliner: 75 Tore in 10 Spielen, dazu noch fünf Treffer im Neunmeterschießen – und dennoch war das Hallenturnier am vergangenen Freitagabend kein rauschendes Fest. Vor allem für den gastgebenden 1. FC Nürnberg. Die „Glubberer“, die von der Mehrheit der Zuschauer angefeuert wurden, schieden in der Vorrunde aus. Einem ordentlich herausgespielten Sieg (4:2) gegen den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern folgte ausgerechnet gegen den Erzrivalen aus der Nachbarstadt Fürth ein 1:7-Debakel.

In der zweiten Gruppe, in der sich Hertha BSC derweil gegen den späteren Turniersieger VfB Stuttgart und Wacker Burghausen behaupten musste, sah es ebenfalls lange nach einer Überraschung aus. Gleich zwei Mal konnten sie in der Begegnung gegen die Berliner – die unter anderem ohne Christian Fiedler, Arne Friedrich, Yildiray Bastürk, Pal Dardai und Marko Pantelic angereist waren – in Führung gehen. Erst in der Schlussminute wendete Kevin-Prince Boateng mit einem Doppelschlag das Blatt. Im zweiten Spiel gegen den VfB (leistungsgerecht 6:6) zeigten sie dann einige Kunststücke, die an diesem Abend, der nominellen Torflut zum Trotz, insgesamt aber selten waren. Der schönste Treffer des Turniers gelang in dieser Begegnung Kevin-Prince Boateng, der sich mit dem besten Spieler des Abends, dem Stuttgarter Cacau, mit je sieben Treffern die Torjägerkanone teilte. Auch sein Bruder Jerome Boateng wusste mit drei Tore zu überzeugen. Der 18-jährige Verteidiger aus Herthas Regionalliga-Mannschaft wird in dieser Saison laut Berlins Trainer Falko Götz schon ab und an bei den Profis mittrainieren dürfen.

Im Halbfinale scheiterte Berlin an der Spielvereinigung Greuther Fürth im Neunmeterschießen. Dass die Fürther nicht in der regulären Spielzeit die Begegnung für sich entschieden, sollte Hertha ihren beiden Ersatztorleuten Nico Pellatz und Kevin Stuhr-Ellegaard danken, die den gesamten Abend mit überzeugenden Abwehrleistungen und klugem Mitspiel auf sich aufmerksam machten.

Die Stuttgarter mussten zwar feststellen, dass sie sich auf den nach der Verletzung der etatmäßigen Nummer zwei (Dirk Heinen) zum Hildebrandt-Stellvertreter aufgerückten Michael Langer eher nicht verlassen sollten. Er war ein ständiger Unsicherheitsfaktor, so dass sowohl das Halbfinale gegen die Kaiserslauterer als auch das Finale gegen die Fürther jeweils zur Zitterpartie wurden. Zum Turniersieg reichte es für den VfB allerdings trotzdem.

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