Sport : Tore statt Terror

Die neue Fußball-Liga begeistert Afghanistan.

Kabul - Ein Stadion, das ist in Afghanistan ein Ort des Schreckens. Wer in der Vergangenheit hierher kam, erlebte meist keinen schönen Sport, sondern sah zu, wie die Taliban Menschen hinrichten ließen. Nun sollen die Arenen wieder zu Orten der Hoffnung für das gebeutelte Land werden. Am Freitag fieberten im ausverkauften Stadion in Kabul 5000 Menschen beim ersten Finale der neuen Fußball-Liga mit. Ein Vielfaches davon verfolgte am Radio oder vor dem Fernseher, wie Tufan Harirod aus dem Westen des Landes das gegnerische Team Simorgh Albors aus dem Nordwesten mit 2:1 bezwang und sich umgerechnet 11 000 Euro Preisgeld sicherte. Die erste Saison der im September gegründeten Afghan Premier League (APL) wurde zum vollen Erfolg.

Unter den Ende 2001 gestürzten Taliban war Fußball lange Zeit verboten. Später erlaubten die selbst ernannten Gotteskrieger Spiele, allerdings wurden in den Halbzeitpausen Menschen öffentlich hingerichtet. In den vergangenen Jahren machte der afghanische Fußball weniger durch sportliche Leistungen Schlagzeilen als vielmehr dadurch, dass sich Spieler bei Trainingslagern im Westen absetzten.

Große Fußballbegegnungen kennt das Land aus der jüngeren Vergangenheit also nicht. Die Spiele der neuen Liga waren trotzdem gut besucht. Die Menschen sehnen sich nach Abwechslung, auch die unsichere Lage hielt sie nicht aus den maroden Stadien fern. Fußball ist der populärste Sport in Afghanistan, dennoch sind nicht alle mit den Regeln vertraut. So versuchte ein Radioreporter, einen Spieler während des laufenden Endspiels an der Seitenlinie zu interviewen. Und als der Schiedsrichter bei einem Ligaspiel zur Halbzeitpause pfiff, verließ eine große Anzahl Menschen das Stadion. Sie wussten nicht, dass es zwei Halbzeiten gibt.

Der Aufbau der Liga verlief ähnlich kurios. Aus Mangel an Talenten waren die acht Teams aus acht Regionen zum größten Teil in der Fernsehsendung „Grüner Rasen“ gecastet worden. Mehr als 20 000 Männer bewarben sich, auch Javed Ahmad aus dem südafghanischen Kandahar. Er gehörte nicht zu den Gewinnern, wollte aber trotzdem für das Team Maiwand Atalan spielen. Schließlich läuft in Afghanistan vieles über Beziehungen, und nach Ahmads Aussage ist sein Cousin einer der Trainer des Teams. „Mein Bruder sagte, mein Cousin würde mich in einem der Spiele für 15 Minuten aufs Spielfeld schicken“, erzählte Ahmad, der dafür eigens aus Kandahar angereist war. Ahmad musste trotzdem auf der Tribüne bleiben. Maiwand Atalan schied im Halbfinale aus. Tsp/dpa

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