Sport : Tore und mehr

Duisburg hat hohe Erwartungen an Ailton

Jörg Strohschein

Duisburg - Sie hatten sich beim MSV Duisburg wirklich Mühe gegeben, dem Besonderen einen würdigen Rahmen zu geben. Und so musste der Brasilianer Ailton auf einem der zwölf Kunststoff-Zebras, die sie eigens für diesen Termin auf dem Rasen der Arena aufgereiht hatten, für die vielen Journalisten posieren. Dreißig Fotografen und vier Fernsehteams waren gekommen, um die wohl spektakulärste Verpflichtung in der Geschichte der Duisburger zu dokumentieren. Für eine Spielzeit hat der fast 34 Jahre alte Brasilianer beim Bundesligaaufsteiger unterschrieben, mit einer Option für eine weitere Saison.

Präsident Walter Hellmich und Trainer Rudi Bommer werden auf den meisten dieser Fotos ebenfalls zu sehen sein. Sie standen direkt neben ihrem neuen Hoffnungsträger. Und während Bommer den reitenden Ailton mit einem gequälten Lächeln ertrug und kaum glauben konnte, welches Aufsehen diese Verpflichtung erregte, war dem Duisburger Präsidenten sein Wohlgefallen anzusehen. Er dirigierte die Fotografen, machte Scherze und sonnte sich in dem Blitzlichtgewitter. Es schien, als sei jetzt genau der Moment gekommen, auf den er immer gewartet hatte, seitdem er den Klub als Präsident und Sponsor übernommen hat.

„Vor drei, vier Jahren haben wir uns das alles nicht vorstellen können“, sagte Hellmich. Doch jetzt, nicht zuletzt durch diese Verpflichtung, machten sie endlich die nötigen Schritte, um wieder eine feste Größe in der Bundesliga zu werden. Die gesamte Stadt schwimme nach dem Aufstieg in die Bundesliga auf einer Euphoriewelle, das neue Stadion biete modernsten Standard, die Erlöse aus dem Merchandising hätten sich um das 20-fache erhöht. „Wir verkaufen heute an drei Tagen soviel, wie vor drei Jahren an 365 Tagen“, sagt Hellmich.

Und ausgerechnet Ailton soll nun den Wunsch nach Sicherheit und Spektakel befriedigen. „Ich bin glücklich, wieder in Deutschland zu spielen“, sagt Ailton. Seine Launen, seine Finanzprobleme, sein Divenhaftigkeit der vergangenen Jahre haben die Duisburger offensichtlich nicht abgeschreckt. Auch seine sportlichen Fähigkeiten sind nicht eindeutig geklärt. Zuletzt war Ailton von Roter Stern Belgrad an Grasshopper Zürich ausgeliehen und erzielte dort immerhin acht Tore in 13 Partien.

Zweifel an der Verpflichtung hatten weder die MSV-Verantwortlichen noch Ailton selbst. Der Brasilianer habe sich per Telefon Rat bei seinem früheren Trainer aus Bremen, Tomas Schaaf, geholt. Hellmich und Bommer hätten bei Ailtons ehemaligen Vereinen Informationen eingeholt. „Und wir haben fast nur positive Reaktionen erhalten“, sagt Hellmich. Rund 600 000 Euro soll Ailton jährlich verdienen, rund 100 000 Euro Ablöse musste der MSV nach Belgrad überweisen. „Wer glaubt, Ailton kommt für ein Butterbrot, der läuft auf der falschen Schiene“, sagt Hellmich.

Dass Ailton, der zuletzt bei brasilianischen Freunden in einer Wohngemeinschaft in Hamburg gewohnt hat, neben den sportlichen Erwartungen auch für die Weiterentwicklung des Marketings und für neue Sponsoren ein echtes Zugpferd sein kann, wollte Hellmich nicht abstreiten. Morgen reist Ailton ins Trainingslager nach Kaprun in Österreich, wo seine neuen Teamkollegen bereits an ihrer Form arbeiten. Bis zum Saisonbeginn soll er den Rückstand allerdings aufgearbeitet haben. Seine Aufgabe in Duisburg? „Ich muss Tore schießen“, sagt er. Das ist das Mindeste, was sie von ihm beim MSV erwarten. Jörg Strohschein

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