Sport : Tore und Trauer

Nach einem Unglück siegt Huelva 3:0 gegen Real

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Madrid - Für die Fußballer des Aufsteigers Recreativo de Huelva dürfte der sensationelle 3:0-Sieg bei Real Madrid der Höhepunkt ihrer Karriere gewesen sein. Aber nach Feiern war den Südspaniern nicht zumute. Vor dem Anpfiff des Punktspiels am Mittwochabend waren vier Huelva-Fans auf dem Weg nach Madrid bei einem Busunglück ums Leben gekommen. Ihrer gedachten die Fußballer bei ihrem überraschenden Triumph im Bernabeu-Stadion und zeigten mit den Fingern in den Himmel. „Sie widmeten den Sieg denen, die von oben herab zuschauten“, schrieb das Sportblatt „Marca“ über die Geste der Spieler.

Eigentlich hatte Huelva wegen des Busunfalls, bei dem 35 weitere Fans verletzt worden waren, gar nicht antreten wollen. Der Fußballverband lehnte einen Antrag auf Spielverlegung jedoch ab. Real ließ eine Gedenkminute einlegen und stiftete die Einnahmen der Partie den Familien der Opfer. Zudem sagten die Gastgeber die Ehrung ihres Abwehrchefs Fabio Cannavaro ab, der am Montag zum Weltfußballer des Jahres gekürt worden war.

Der Kapitän des Weltmeisters Italien erlebte zwei Tage nach seiner Auszeichnung einen Tiefpunkt in seiner Karriere. Er hatte dem frechen Angriffsspiel des Aufsteigers nichts entgegenzusetzen, sah bei den Gegentreffern schlecht aus und wurde vom Publikum ausgepfiffen. Cannavaro war aber längst nicht der einzige Madrilene, der sich in desolater Verfassung präsentierte.

Trainer Fabio Capello, so wird kolportiert, fragte auf der Bank ratlos seinen Assistenten Antonio Grande: „Toni, was machen wir nur? Ich kann doch nicht alle elf Spieler auswechseln.“ Das aber hätte er angesichts der Leistung seiner Profis tun müssen.

Huelva, mit 117 Jahren der älteste Fußballklub in Spanien, machte es dem FC Bayern München vor, wie den Madrilenen im Achtelfinale der Champions League beizukommen ist: Die Andalusier schirmten Reals Kreativabteilung um Regisseur Guti ab – mit der Folge, dass Madrids Torjäger Ronaldo und Ruud van Nistelrooy nicht ein brauchbares Zuspiel erhielten.

„Huelva legte Reals nackte Wahrheit offen“, titelte die Zeitung „El Mundo“. Das Sportblatt „Marca“ sieht für den seit dreieinhalb Jahren titellosen Rekordmeister schwarz: „Das 0:3 war kein einmaliger Ausrutscher. Real spielte genauso schlecht wie sonst. Das Erstaunliche ist nur, dass es bislang so viele Punkte geholt hat.“ Real liegt auf Rang drei, fünf Punkte hinter Tabellenführer FC Sevilla und einen Punkt hinter dem FC Barcelona, der allerdings zwei Spiele weniger bestritten hat.

Die Real-Führung setzte derweil ihre Einkaufstour in Lateinamerika fort. Der Rekordmeister verpflichtete den 20-jährigen Argentinier Fernando Gago von Boca Juniors Buenos Aires für 20 Millionen Euro. Zuvor hatte Real bereits Gagos 19 Jahre alten Landsmann Gonzalo Higuain von River Plate für zwölf Millionen und den 19-jährigen Brasilianer Marcelo von Fluminense Rio de Janeiro für sechs Millionen Euro unter Vertrag genommen. Vor Saisonbeginn hatten die Madrilenen fast 70 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. dpa

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