Sport : Tore zum Versöhnen

Jan Koller führt Borussia Dortmund zum 4:2-Sieg in Wolfsburg und gibt den Fans wieder Anlass zum Jubel

André Görke

Wolfsburg. Der stumme Protest hielt nicht mal eine Halbzeit lang. Jan Koller hatte gerade die Dortmunder Borussen in Wolfsburg durch sein Tor zum 2:1 in Front geschossen, da flippten die 2000 mitgereisten Fans des BVB aus. Sie tanzten und sangen auf den Rängen der Volkswagen-Arena zu Wolfsburg wie zu den besten Tagen. Vor dem Spiel hatten Gruppierungen unter ihnen noch mittels einer Flugblattaktion zum Protest aufgerufen, „Torjubel“ und „Schwenkfahnen“ untersagt. Sieben Spiele war der BVB sieglos geblieben und dann das. Borussia gewann gestern vor 25 286 Zuschauern beim heimstarken VfL mit 4:2 (2:1). Während die Borussen ihre Talfahrt vorerst stoppen konnten, treten die Wolfsburger nach der zweiten Saisonheimniederlage auf der Stelle.

Der Dortmunder Trainer Matthias Sammer war nach der Niederlage im Derby gegen Schalke und der angespannten wirtschaftlichen Situation des Vereins in die Offensive gegangen. In Ewerthon, Koller und Odonkor bot er drei Stürmer auf. Die Rolle des gesperrten Spielmachers Rosicky übernahm zur Überraschung vieler nicht Lars Ricken, sondern Torsten Frings, was sich auszahlen sollte.

Den besseren Start aber erwischte der Gastgeber. Martin Petrow trat zu einem fragwürdigen Strafstoß an und überwand Dortmunds neuen Torwart Warmuz. Der Franzose soll nach Ansicht von Schiedsrichter Wack den Wolfsburger Stürmer Baiano gefoult haben. Nicht geahndet blieb aber dessen Handspiel vor dem Zusammenprall mit Warmuz. Doch die Dortmunder zeigten eine gute Reaktion auf den Rückstand. Mit zunehmender Spielzeit bekamen sie das Spiel in den Griff. „Wir haben Tormöglichkeiten herausgespielt. Das war der Fortschritt des Spiels“, sagte Sammer. Schließlich war es der Däne Niclas Jensen, der durch einen mit dem linken Fuß direkt verwandelten Freistoß den Ausgleich erzielte. Kurz vor der Pause verwertete Koller eine Kopfballverlängerung von Kapitän Wörns nach einer Ecke von Frings. Es war das zehnte Saisontor des langen Tschechen.

Die Dortmunder wurden immer sicherer und verlagerten sich auf Konter. Den ersten der zweiten Halbzeit schloss Frings zum 3:1 ab. Jan Koller hatte den deutschen Nationalspieler mit einem langen Kopfballpass auf die Reise zum Wolfsburger Tor geschickt. „Nach dem Fehler zum 1:3 gingen bei uns die Jalousien runter“, analysierte der Wolfsburger Trainer Jürgen Röber hinterher. Die Dortmunder Fans aber hatten ihre Lieblinge, die sie vor dem Spiel noch als Versager tituliert und entsprechende Plakate im Stadion aufgehängt hatten, plötzlich wieder ganz lieb. Der Einzige, der nicht mitjubeln mochte, war Trainer Sammer. Später sagte er: Ich gebe zu, dass ich erleichtert bin. Dieser Sieg kam zum richtigen Zeitpunkt.“

Der VfL tat sich schwer. Die nötige Präzision fehlte im Spiel, was vor allem daran lag, dass Regisseur D’Alessandro wegen einer Fußprellung ausfiel. Dortmunds Hintermannschaft stemmte sich mit Mut und etwas Glück erfolgreich gegen die Bemühungen der Gastgeber. Zehn Minuten vor dem Abpfiff erzielte Lars Ricken, den Sammer dann doch noch eingewechselt hatte, sogar das 4:1. Wieder war es Koller, der diesen Treffer per Kopf vorbereitet hatte.

Dass dem Wolfsburger Stürmer Baiano quasi mit dem Schlusspfiff noch das 2:4 glückte, konnte der Vergnüglichkeit der BVB-Fans nichts anhaben. Am Ende sangen sie: „Oh, wie es das schön.“ Es war Teil eins der Versöhnung.

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