Sport : Torhüter Alexander Tschigir freut sich auf seine alten Kameraden

Hartmut Moheit

Zuweilen bleiben nur noch Mimik und Gestik, um halbwegs verstehen zu können. Es ist sehr wahrscheinlich, dass einige Wasserfreunde, die des Russischen nicht mächtig sind, heute darauf angewiesen sein werden. "Wenn ich dem Gegner etwas zu sagen habe, dann geschieht das garantiert auch in meiner Muttersprache", kündigt der 31-jährige Alexander Tschigir vor dem ersten Champions-League-Spiel von Spandau 04 gegen Spartak Wolgograd (15 Uhr in Schöneberg) an. Nicht, dass es der gebürtige Moskauer mit dem deutschen Pass nach acht Jahren in der Bundesliga nicht anders könnte, aber schließlich kommen seine alten Kameraden nach Berlin. "Mit vier von ihnen habe ich Ende der 80er Jahre bei ZSKA zusammmengespielt, auch in der russischen Auswahl", sagt er nach über 300 Auswahleinsätzen. "Ganz klar, dass ich mich auf die Spiele gegen Wolgograd besonders freue. Nur, die Spieler dieses Teams kennen meine Stärken und Schwächen ganz genau, was dann gegen Becej oder Zagreb in der Champions League nicht so sein wird."

Um Wasserball auf höchstem Niveau in Europa spielen zu können, extra deswegen ist Alexander Tschigir über Wuppertal, Krefeld und Würzburg zum Rekordmeister nach Berlin gewechselt. Nie hätte er es sich früher träumen lassen, dass ausgerechnet der einstige Weltklassetorhüter Peter Röhle heute sein Trainer sein würde. "Bei Olympia 1992 in Barcelona haben wir als GUS-Auswahl das entscheidende Gruppenspiel gegen Deutschland mit ihm als letztem Mann bestritten. Damals konnten wir gewinnen und später Bronze holen", erzählt Tschigir, der mittlerweile - vom russischen Verband gesperrt - fast 50 Länderspiele für die neue Heimat absolvierte. Wirklich für seine neue Heimat? "Die wird immer Russland bleiben, wo in Moskau meine Eltern und die 24-jährige Schwester Natalja leben. Ich sehe meine Zukunft dort." Nicht umsonst gehen die Kinder der Tschigirs (Artur und Doria) am Wochenende in die Botschaftsschule, um später neben deutsch auch perfekt russisch sprechen zu können. Der Torhüter der Wasserfreunde Spandau 04, dessen Vertrag nach dieser Saison auslaufen wird ("Ich warte erst einmal auf ein neues Angebot"), sieht sein Engagement in Deutschland ausschließlich auf den Sport bezogen. Er hat sich zuletzt erst wieder vorgestellt, wie es wäre, am 24. Dezember Weihnachten zu feiern. "Nein, das geht nicht", sagt er nur, und schwärmt vom Jolka-Fest mit russischen Volksliedern, das seine Familie zum Jahreswechsel an der Moskwa verlebte. Selbst der Krieg in Tschetschenien, mit vielen Toten auf beiden Seiten, konnte ihm - und nach seiner Aussage auch der Mehrheit der Russen - die Freude daran nicht verderben. "Es wird Zeit, dass in Tschetschenien die Ordnung wiederhergestellt wird. Ich finde den Krieg gerecht, empfinde auch keine humane Katastrophe und setze auf die neuen Leute, die in Russland jetzt an der Macht sind", betont er. "Russland wird in Zukunft viel stärker in Europa eingebunden sein. Ich möchte daran von zu Hause aus mitwirken." Die russischen TV- und Radio-Programme sind es, über die Alexander Tschigir seine Informationen bezieht, aber ebenso aus deutschen Nachrichtenmagazinen und Tageszeitungen. Dabei geht er mit seiner Meinung nicht hausieren, muss vielmehr direkt danach gefragt werden. Bei den Wasserfreunden stehen zur Zeit ohnehin andere Themen auf der Tagesordnung. Zuletzt geisterte das Spiel gegen Wolgograd (vor drei Jahren 10:7, beim vorletzten Balen-Cup 8:7) tagtäglich in den Köpfen herum. Spandau 04 hat seitdem mit Klingenberg und Bukowski erfahrene Spieler verloren, während der heutige Gegner auf die Routine eines seit vier Jahren eingespielten Teams setzen kann. Nur gut, dass neben Tschigir die Spandauer Uchal, Elke und Andruszkiewicz die Sprache des Gegners beherrschen.

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