Torhüter : Illgner: "Lehmann fehlt die Souveränität"

Der ehemalige Nationalkeeper Bodo Illgner zweifelt an Deutschlands Torwart Jens Lehmann. Auch die Innenverteidigung könne zum Problem werden, sagt er.

Der frühere Nationaltorwart Bodo Illgner tippt auf einen 2:1-Sieg der deutschen Mannschaft im EM-Finale, warnt aber vor der Spielstärke des Gegners. „Wenn sich das Mittelfeld wie gegen Russland in einen Rausch spielt, wird es sehr schwierig. Auch unsere großen Innenverteidiger Metzelder und Mertesacker könnten zum Nachteil werden. Die Spanier werden versuchen, mit ihren kleinen Leuten und ihrem Kurzpass-Spiel in die Nahtstellen unserer Abwehr einzudringen“, sagte der Weltmeister von 1990
im Interview mit der Zeitung „Die Welt“ (Samstag-Ausgabe).

Der Mannschaft von Joachim Löw rät Illgner, ihre Kampfkraft in die Waagschale zu werfen. „Auch wenn es ein wenig abgedroschen klingt: Deutschland muss seine berühmten Tugenden einsetzen und ihnen von Beginn an den Schneid abkaufen. Daher erwarte ich auch ein zerfahrenes Spiel - Löws Mannschaft wird versuchen, den spanischen Rhythmus zu stören. Dies wäre die richtige Taktik.“ Im Vergleich der Torhüter sieht Illgner, der fünf Jahre lang für Real Madrid spielte und mit den „Königlichen“ 1998 die Champions League gewann, Vorteile beim Gegner, wenn man die aktuelle Form der Keeper vergleiche. Für Jens Lehmann, der fast ohne Spielpraxis beim FC Arsenal zur EM gereist war, laufe das Turnier „wie man es im Vorfeld befürchten musste. Nach einer Rückrunde, die er zumeist auf der Bank verbracht hat, fehlt ihm die Souveränität“, sagte der in Spanien lebende Illgner. Dennoch hält er Lehmann für einen „Superkeeper“. Iker Casillas sei aber schon die ganze Saison „in überragender Form“ und habe großen Anteil an Real Madrids Meistertitel. „Casillas zieht das Glück an - prallt ihm ausnahmsweise mal ein Ball weg, bekommt er meist eine zweite Chance, ihn abzuwehren. Was er momentan anfasst, wird zu Gold.“

Den Hauptgrund, warum die Spanier bei dieser EM endlich einmal ihr Potenzial abrufen, sieht Illgner in der gewachsenen Auslandserfahrung einiger Profis. „Das gab es lange Jahre nicht. Fernando Torres, der hier den Beinamen 'das Kind' trägt, ist beim FC Liverpool zum Mann gereift. Fabregas hat sich beim FC Arsenal durchgesetzt. Diese Entwicklung hat der Mannschaft gut getan, sie ist dadurch sehr viel robuster geworden.“ Illgner betonte, dass der Respekt der Spanier vor den Deutschen enorm sei. „Nicht vor ihrer Spielklasse oder ihrer guten Technik, sondern vor ihrer Mentalität. Auch in Spanien ist das Zitat von Gary Lineker berühmt, nachdem Fußball ein Spiel zwischen 22 Leuten ist, an dessen Ende immer Deutschland gewinnt.“ (dpa)

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