• TORHÜTER WÜRDIGEN OLIVER KAHN: „Sein Blick und seine Versessenheit – legendär“

TORHÜTER WÜRDIGEN OLIVER KAHN : „Sein Blick und seine Versessenheit – legendär“

Nach 557 Bundesligaspielen, 34 Gelben Karten, insgesamt 23 Titeln und unzähligen Erinnerungen ist die Karriere von Oliver Kahn zu Ende. Zum Abschied würdigen ihn große Torwartkollegen:

Bodo Illgner: „Sein Abschied wird eine große Lücke in der Bundesliga hinterlassen. Allein sein Blick in den luftleeren Raum bei Interviews ist legendär. Aber auch sein bedingungsloser Wille, seine Versessenheit, die Aggressivität. Wenn ich an Kahn denke, kommen mir sofort Bilder in den Sinn, wie er Kopf an Kopf mit einem Gegenspieler steht. In Spanien ist er eine richtige Reizfigur. Doch bei allen Anfeindungen schwang auch immer Respekt mit. Zu seinem Abschied wünsche ich ihm vor allem Entspannung. Soviel ich weiß, will er segeln gehen und da sollte er auch in Barcelona mal halten. Im Ernst. Es gibt mehr als das Stadion. Eine schöne Stadt, tolle Cafés. Das sollte er genießen, dann wird er auch die Schmach von ’99 vergessen.“

Uli Stein: „Ehrlich gesagt, wenn ich an Oliver Kahn denke, muss ich vor allem dran denken, dass ich gegen ihn mal einen Elfmeter verwandelt habe: 1992 im DFB-Pokal-Viertelfinale. Er war noch in Karlsruhe, ich in Frankfurt, wir haben 5:3 nach Elfmeterschießen gewonnen. Aber im Ernst. Was man wirklich mit ihm verbindet ist Erfolg, Ehrgeiz, Ausstrahlung, Temperament und Respekt. Technik kann man erlernen, aber dieser unbedingte Siegeswille, das fehlt vielen Spielern heute.“

Jean-Marie Pfaff: „Mit Oliver Kahn nimmt nach Sepp Maier und Jean-Marie Pfaff der dritte großen Torwart des FC Bayern Abschied. Alle waren unterschiedlich, und Kahn sicherlich etwas unnahbarer, aber eine echte Persönlichkeit. Ein Matchwinner und eine Identifikationsfigur, von denen es nicht mehr viele gibt. Stürmer hatten sogar Angst vor ihm. Doch so eine Ausstrahlung muss man sich erarbeiten. Die kommt unter anderem vom Erfolg. Und den hatte er auch, weil er in einer guten Mannschaft gespielt hat. Seine größte Stärke war aber seine Kontinuität. Wenige schaffen es, diese Leistung über so lange Zeit zu zeigen. Natürlich hat er auch Fehler gemacht, aber Tore, die Kahn oder auch ein Pfaff kassiert haben, waren immer unhaltbar. Ich wünsche ihm, dass er sich in seinem neuen Leben wohlfühlt, gesund bleibt, vielleicht dem FC Bayern erhalten bleibt oder mit mir eine Torwartschule eröffnet. Wenn nicht: Ich würde mich auch freuen, wenn wir mal ein Bier trinken gehen – aber er muss zahlen!“

Oliver Reck: „Bei der EM 1996 waren wir zusammen im Aufgebot. Da haben wir beide zwar nicht gespielt, aber ich habe ihn kennengelernt. Er ist ein sehr witziger Typ. Privat ganz anders. Es gibt aber auch den anderen Kahn, der verbissen trainiert, der gewinnen will. Er hat viele Titel gewonnen, das spricht für sich. Er braucht eine gewisse Rivalität, aber es war auch ein bisschen Theater dabei. Das hat er bewusst gesteuert und damit Erfolg gehabt. Nur, dass er mir auch einige Rekorde abgenommen hat, ist schade. Michael Rensing wird es schwer haben.“

Aufgezeichnet von Jörg Strohschein und Christian Tretbar

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