Sport : Torjäger gesucht - Beim VfB Stuttgart stürmt vermutlich ein Vertragsamateur

Björn Rödel-Waldenstein

Marcelo Bordon stieg hoch, Sean Dundee auch, und dann hätte es ein interessantes Kopfballduell werden können. Libero gegen Torjäger. Aber Dundee sprang nur zaghaft, wie einer, der schon auf dem Boden Angst vor dem Körperkontakt hat. Bordon köpfte den Ball weg, und Dundee fiel zu Boden, als wäre er gegen einen Zementsack gefallen. In der Ferne schüttelten auf dem Trainingsplatz des VfB Stuttgart Journalisten den Kopf, und Ralf Rangnick, der Trainer, wußte, dass er weiterhin ein Problem hat. Genau gesagt hat er ein Riesenproblem. Das kleinere ist Dundee. Dundee hatte mal einen Ruf als Torjäger, als einer, der Instinkt besitzt. Für den Karlsruher SC schoss er mal 36 Tore in 85 Spielen, aber dann traf er nicht mehr, und der KSC rutschte in die Krise, und einem, dem sie die Schuld dafür gaben war Dundee. Der Stürmer ist ein sensibler Kerl mit einem weichen Gesicht. Sein ganzer Kern ist weich, und wenn er kritisiert wird, ist ihm die rauhe Welt der Profis zu hart. Er floh nach Liverpool, spielte 18 Minuten, und in England waren sie gottfroh, dass der VfB ihn vor der Saison zurückholte. Rangnick hoffte, dass Dundee wieder trifft wie früher. Aber Dundee spielt und trainiert so, dass Beobachter "Zumutung" zischen und der Trainer sagt, "dass ich enttäuscht bin von Sean. Bei ihm ist es eine Kopfsache."

Dundee fällt also aus. Aber vor dem Spiel gegen Hertha BSC fällt auch Pavel Kuka aus, weil er verletzt ist. Und Didi auch, weil er ebenfalls verletzt ist. Ioan Ganea hat Probleme mit dem Sprunggelenk, er ist zwar im Kader, aber sein Einsatz ist unklar. Und weil er angeschlagen ist und möglicherweise ausfällt, hat Rangnick ein Riesenproblem. Es fehlt ihm ein starker Stürmer. Also wird der Ägypter Hosny die einzige Spitze darstellen, ein 20-Jähriger Vertragsamateur, der im Pokal gegen die Amateure von Werder Bremen das Tor des Tages schoss, immerhin. Ganz sicher fehlen wird aber auch Mittelfeldspieler Roberto Pinto. Dafür rückt Jens Keller wieder in die Vierer-Abwehrkette. Seine Gelb-Rot-Sperre ist abgelaufen. Wenigstens das.

Stuttgart braucht mindestens einen Punkt. Der VfB war miserabel gestartet, hat aber von den letzten vier Bundesligaspielen immerhin drei gewonnen und ist jetzt Zehnter. Trotzdem ist die Abstiegszone bedrohlich nahe. Rangnick hat den AC Mailand gesehen im Spiel gegen Hertha, und jetzt sagt er: "Wir können besser spielen als Milan an diesem Tag." Und dann erinnert er daran, dass Hertha im kraftraubenden Rhythmus Bundesliga - Champions League - Bundesliga steht, wie die Bayern auch, und die Bayern besiegte der VfB auswärts 1:0.

Das verschaffte Rangnick Luft und natürlich auch Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, genannt MV. Viele warten nur auf den Sturz den Klubchefs. MV gilt als Selbstdarsteller und kleiner Diktator, aber stürzen können ihn die Fans erst im nächste Jahr. Da finden bei der Mitgliederversammlung Wahlen statt. MV will wieder kandidieren, wenn er gewinnt wäre 25 Jahre Präsident, aber es gibt immer mehr Leute, die zweifeln, dass er gewinnen wird. Man hatte ihm bei der Mitgliederversammlung vor zwei Wochen Karl-Heinz Förster als Sportdirektor und seinen Intimfeind Hansi Müller als PR-Chef ins Präsidium gedrückt, und seither wird Mayer-Vorferlder immer mehr an den Rand gedrängt. Die Journalisten atmen auf, weil Förster und Müller kompetente Ansprechpartner sind, und die Fans spüren, dass auch ohne Mayer-Vorfelder der Laden läuft. Und sollte der VfB heute gegen Hertha gewinnen, dann verstärkt sich dieser Eindruck noch.

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