Sport : Torjäger mit Schmerzen

Petr Fical spielt trotz Verletzung im Eishockey-Finale

Florian Jennemann[Nürnberg]

Glück, so heißt es, hat nur der Tüchtige. Was Petr Fical angeht, dürfte der Eishockey-Nationalstürmer die letzten Zweifel an der Richtigkeit dieses Klischees bezüglich seiner Person am vergangenen Donnerstag endgültig ausgeräumt haben. Noch sechs Sekunden waren zu spielen, als der Angreifer in Diensten der Nürnberger den Puck hinter dem Tor der Mannheimer postiert vor das Tor passen wollte. Aber er landete nicht beim gemeinten Adressaten sondern am Schlittschuh von Mannheims Keeper Jean-Marc Pelletier und fand von dort den Weg ins Tor: 2:2. Die Ice Tigers hatten bereits geschlagen gewirkt – plötzlich waren sie wieder im Spiel.

Dass die Franken das erste Finale um die deutsche Eishockeymeisterschaft dennoch 2:3 verloren, konnte Fical nicht mehr verhindern. Da saß er bereits in der Kabine. Seit einem Check des Düsseldorfers Sean Brown im dritten Halbfinalspiel plagt sich der Außenstürmer mit einer Verletzung am Bein. Nur durch Hilfe der medizinischen Abteilung kann der mit sieben Treffern beste Torjäger der Play-offs in der Deutschen Eishockey-Liga überhaupt auflaufen. Vor der Verlängerung in Mannheim hatte die Wirkung des Eissprays nachgelassen, die Betäubung war weg und der Schmerz wieder da. Was ihn ab nicht daran hindert, heute im zweiten Finalspiel in Nürnberg (15.30, live auf Premiere) aufzulaufen. „Am Sonntag“, sagt Fical mit Nachdruck, „bin ich natürlich trotzdem dabei.“ Schließlich spiele man „nicht oft ein Finale“. Und das sei, sagt der 29-Jährige, „das Größte“.

Besonders gegen einen Verein, der lange drohte, Ficals Arbeitgeber für die kommende Saison zu werden. Im Sommer 2006 – die Zukunft des Nürnberger Eishockeys war ungewiss – entschied sich Fical, Trainer Greg Poss in der Saison 2007/08 nach Mannheim zu folgen. Poss trainierte Fical bereits in Iserlohn und Nürnberg. Doch in Nürnberg kam alles anders: Neuer Alleingesellschafter, Namenssponsor und damit wieder finanzielles Gleichgewicht. Fical, der die Ice Tigers nur wegen finanzieller Probleme verlassen wollte, steckte im Dilemma. Aber das Hin und Her scheint mittlerweile beendet. Angeblich ist der Vertrag bei den Adlern bereits aufgelöst und der neue in Nürnberg unterschrieben. Bestätigen will das freilich vor dem Ende der Play-offs keine der beiden Parteien.

Das man sich im Finale treffen würde, dachten vor der Saison ohnehin die Wenigsten. Fical steht exemplarisch für den Charakter des Nürnberger Teams. „Die Play-offs sind ein Spiegel unserer gesamten Saison. Wir kämpfen“, sagt Trainer Benoit Laporte. Fical lebt das vor, gibt keine Scheibe verloren, arbeitet nach hinten konsequent mit und schießt vorne die wichtigen Tore. Und er verbreitet immer positive Stimmung – die herrscht trotz der Niederlage am Donnerstag in Nürnberg, auch wenn mit 57:28 die Schussbilanz in Spiel eins klar für Mannheim sprach. Laporte sagt jedoch: „Wie viele Schüsse es waren, ist egal, es waren nur selten gefährliche dabei. Wir wissen, dass wir nur wenige Chancen gegen Mannheim bekommen, die müssen wir nutzen.“ Ansonsten sei Tüchtigkeit die erfolgversprechende Tugend für den Außenseiter – hart arbeiten eben, so wie das Laporte immer von seinen Spielern verlangt. Vielleicht ist dann im Rest der Serie das Glück nicht nur auf Seiten von Petr Fical, sondern beim gesamten Nürnberger Team.

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