Torlinientechnik : Nie wieder Wembley!

Die Torlinientechnik bringt Fairness für Spieler, Trainer und Millionen Fußballfans, ohne dem Spiel seine Spontaneität zu nehmen. Sie abzulehnen, ist Folklore, ihre Förderung durch die Fifa unbedingt zu befürworten. Ein Kommentar.

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Es mag sein, dass Schiedsrichter in unteren Ligen es in Zukunft noch schwerer haben werden. Es mag sein, dass strittige Abseits- oder Elfmeterpfiffe bald noch mehr diskutiert werden. Es mag auch sein, dass es Funktionäre gibt, die sich jetzt ermutigt fühlen, auch für andere Entscheidungen Hilfsmittel einzufordern – bis zu einem Punkt, an dem sie den Charakter des Spiels ernsthaft gefährden. Das mag alles sein, und ändert doch nichts daran, dass die Freude überwiegen sollte. Nun, da das Fifa-Regelkomitee Ifab mit seiner Ankündigung, die verschiedenen Torlinientechniken bei Fifa-Turnieren zu testen, die Weichen für deren Einsatz im Profifußball weltweit gestellt hat.

Denn diese Entscheidung war überfällig. Zu offensichtlich wurde bei der EM 2012, was die Technik, nicht zuletzt im Gegensatz zu den von Uefa-Präsident Michel Platini favorisierten Torrichtern, bringen kann: ein simples und simpel zu erlangendes Stück Gerechtigkeit für Spieler, Trainer und Millionen von Fußballfans. Eins, das dem Spiel seine Spontaneität und dem Schiedsrichter seine Souveränität nicht nimmt. Man muss schon sehr verliebt in die Diskussionen rund um das legendäre Wembley-Tor sein, um jenes Mittel abzulehnen, das das Ziel jeder Mannschaft beim Fußballspielen, den erfolgreichen Torabschluss, einwandfrei bestätigen kann. Für jeden Fußballfan, dem die Fairness mehr gilt als schrullige Nostalgie, ist dieser Tag ein uneingeschränkt guter.

Schiri, man sieht es doch!
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1 von 7Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Das heißt freilich nicht, dass man nicht gerade jetzt wachsam sein müsste. Denn die Entscheidung taugt als Muster für keine andere. Sie ist so singulär wie auch das, was sie betrifft, nicht mit einem strittigen Abseits zu vergleichen ist. Dass aber zumindest an der Torlinie bald Klarheit herrscht, ist gut; es braucht nicht mehr, aber auch nicht weniger. Alles andere ist entweder Kontrollwahn oder an Fairplay desinteressierte Fußball-Folklore.

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