Sport : Torlos nach Hause Friedlich kämpfen bis zum Tod

Deutschlands Viertelfinalgegner Japan fällt durch wenige Fouls und den schwachen Torabschluss auf

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Nordkorea und Kolumbien konnten auch bei ihrem letzten WM-Auftritt keine Akzente setzen. Zum Abschluss der Gruppe C kamen die beiden Teams im direkten Duell am Mittwoch in Bochum nicht über ein 0:0 hinaus und beendeten die Weltmeisterschaft mit einer weiteren Enttäuschung.

Ebenso wie WM-Neuling Kolumbien konnten auch die Asiatinnen während der Vorrunde nicht ein einziges Tor erzielen. Beide Kontrahenten hatten bereits vor der Begegnung ihre Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale verspielt.

Vor der WM-Minuskulisse von 7805 Zuschauern machte Kolumbien zunächst den frischeren Eindruck. Die „Cafeteras“ spielten offensiv, waren aber häufig zu eigensinnig. Nur selten konnten sich die Südamerikanerinnen gegen die stabile Abwehr Nordkoreas durchsetzen und versuchten stattdessen ihr Glück mit Distanzschüssen.

Nach dem Seitenwechsel verbesserte sich das wenig anspruchsvolle Spiel nicht. Kolumbien war das agilere Team, offenbarte aber einige technische Defizite. Nordkorea blieb seiner taktischen Linie treu, scheute lange das Risiko und erarbeitete sich erst in der Schlussphase wieder eine Torchance. Jo Yun Mi (86.) vergab aber kläglich. dpa

Wenn der Dolmetscher nicht irrte, dann hat Norio Sasaki am Dienstag in Augsburg einen sehr seltsamen Satz gesagt. Es ging dabei um die Ansprache des Trainers in der Halbzeitpause des Spiels gegen England. Die Japanerinnen hatten es wie gewohnt auf höchstem technischem Niveau geführt, dabei allerdings die kämpferische Note ein wenig vernachlässigt, auch das nichts unbedingt Neues. Japan lag 0:1 zurück, kein Drama, die Qualifikation für das Viertelfinale war längst geschafft. Norio Sasaki aber hatte offensichtlich große Erwartungen in dieses letzte Vorrundenspiel gesetzt, was er denn auch seinen Spielerinnen unmissverständlich klarmachte: „Ich habe ihnen gesagt, dass sie dieses Spiel noch gewinnen können. Aber dafür müssen sie kämpfen bis zum Tod.“ Und, damit es auch jeder versteht, wiederholte er seine Worte noch einmal: „Kämpfen bis zum Tod.“

Hat alles nichts geholfen, England gewann 2:0 und reichte die Japaner als Viertelfinalgegner an die Deutschen weiter. Man kann sich ganz gut vorstellen, was Sasakis Kollegin Silvia Neid sich hätte anhören dürfen, würde sie vom Kampf bis zum Tod schwadronieren. Beider Trainer Heimat verbindet bekanntlich eine unselige militaristische Tradition. Auch in Deutschland war es vor nicht langer Zeit noch üblich, erfolgreiche Stürmer als Bomber zu bezeichnen und besonders scharfe Schüsse als Granaten. Die Japaner nennen ihre Nationalmannschaft noch heute Blaue Armee, und Kamikaze gehört neben Sushi zu den wenigen japanischen Vokabeln, die einen Platz gefunden haben in der deutschen Alltagssprache.

Es ist nur so, dass bei dieser Frauenfußball-Weltmeisterschaft alle martialische Rhetorik so überhaupt nicht korrespondiert mit der Wahrheit auf dem Platz. Keine Mannschaft tritt so friedliebend auf wie die japanische, vielleicht mal abgesehen von den jungen Hüpfern aus Kolumbien, aber für die ist das Turnier auch schon zu Ende. Fouls sind für die Japanerinnen in der Fortsetzung der englischen Gentleman-Tradition nicht ladylike. Was den Körperkontakt betrifft, erinnert das japanische Spiel zuweilen an Basketball (aus der Zeit, als Basketball noch als körperloses Spiel galt). „Ja, das ist ein Problem“, sagt Norio Sasaki, „dem müssen wir uns stellen. Wir trainieren das auch, aber unsere Spielerinnen sind nun mal nicht so kräftig“, wie es am Dienstag die Engländerinnen waren und am Samstag die Deutschen sein werden.

Diesen Wettbewerbsnachteil will der japanische Trainer „durch unsere Teamleistung ausgleichen“, aber hier liegt das nächste Problem. Zwar verstehen sich die Japanerinnen wunderbar darauf, den Ball zirkulieren zu lassen, aber sie haben daran offenbar so großen Spaß, dass sie dieses Zusammenspiel nur sehr ungern zu einem Ende führen, etwa mit einem Torschuss. Das hätte im ersten Spiel gegen Neuseeland beinahe in einem Unentschieden geendet, wurde beim 4:0 über Mexiko nur durch drei Tore der eigentlich fürs Vorbereiten zuständigen Homare Sawa kaschiert und machte am Dienstag den Unterschied gegen das technisch deutlich unterlegene England. Von Japans deutschem Sturm mit den an die Bundesligahärte adaptierten Yuki Nagasato (Potsdam) und Kozue Ando (Duisburg) ging wenig bis gar keine Gefahr aus.

Auch Norio Sasaki konstatiert eine „gewisse Schwäche im Abschluss, gegen England haben wir nichts riskiert, wir hätten öfter mal aufs Tor schießen müssen, da haben wir einfach nicht die richtigen Entscheidungen getroffen“. Aber, genug der Selbstkritik, man möge jetzt doch bitte nicht behaupten, „dass alles schlecht gewesen ist“. Die Spielerinnen hätten ihre Lektion gelernt und seien voller Vorfreude auf das Spiel am Samstag in Wolfsburg. Und es stört sie überhaupt nicht, dass es jetzt gegen den Gastgeber, WM-Favoriten und zweimaligen Weltmeister geht? Da lächelt Norio Sasaki sein höflichstes Lächeln und sagt: „Das ist uns egal, ob nun gegen Deutschland oder Frankreich, wir sind immer noch überzeugt davon, das wir Weltmeister werden können.“

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