Sport : Torlos, trostlos

Ein Ergebnis, das beiden nicht hilft: Nürnberg verschießt gegen den HSV sogar einen Elfmeter

Christoph Ruf[Nürnberg]

Wenn einer nicht kann und der andere nicht will, ist 0:0 im Fußball ein logisches Ergebnis. Immerhin schienen gestern im Frankenstadion wenigstens die Nürnberger Fans nicht unter fehlendem Selbstbewusstsein zu leiden: „Kämpft und siegt endlich für uns, sonst bleibt unsere Kurve stumm“, hatten sie auf ein riesiges Transparent geschrieben. Ihre Mannschaft tat es ihnen in der Folgezeit schwer, die Dezibelzahlen in die Höhe zu treiben. Nach einer mäßigen Bundesligapartie trennten sich die Franken torlos vom Hamburger SV, der in der gestern gezeigten Verfassung Tabellenführer Bayern München wohl kaum noch im Kampf um den Titel gefährlich werden kann.

Erst in der 21. Spielminute gab es die erste Torchance des Spiels – durch Hamburgs Piotr Trochowski. Kurz darauf hatte Daniel Klewer, der im Tor den Vorzug vor Jaromir Blazek bekommen hatte, mehrfach die Gelegenheit sich auszuzeichnen. Allein der agile Rafael van der Vaart prüfte den gebürtigen Rostocker gleich zweimal. Gehemmt und umständlich gingen dagegen die Nürnberger zu Werke. Wenn einmal ein Ball in den Strafraum kam, dann ausnahmslos nach mehr oder weniger zielgerichteten Flanken aus dem rechten Halbfeld. Gefährlich für das Hamburger Tor wurde es erst, als Collin Benjamin Nürnbergs Peer Kluge zu Fall brachte. Doch Zvjezdan Misimovic schoss den Elfmeter so temperamentlos, dass Frank Rost parieren konnte.

In der zweiten Hälfte führte der Club nahtlos seine spielerischen Unzulänglichkeiten fort. Zu rudimentär das Spiel ohne Ball, zu ungenau die Pässe, die „phasenweise einfach nicht seriös nach vorne gespielt“ wurden, wie Trainer Thomas von Heesen nach dem Spiel fand. Anders die Hamburger, die zwar stets den Eindruck erweckten, als genüge ihnen der eine Punkt, die aber beweglicher als die Hausherren spielten. Nennenswerte Torchancen erspielten jedoch auch sie sich nicht. Trotzdem wäre ihnen fast der Führungstreffer gelungen, doch David Jarolims Schuss aus 20 Metern krachte an die Unterkante der Latte. Nürnberg hatte also noch Glück. „Wir hätten einen Sieg verdient gehabt“, sagte dennoch Peer Kluge, „wir wussten, dass der HSV nach dem Spiel vom Donnerstag müde war, haben aber nicht so viel Druck gemacht wie wir wollten.“ Letzteres sah Daniel Klewer, der sich selbst zurecht eine „gute Leistung“ attestierte, ähnlich: „In der zweiten Halbzeit hatten wir nicht mehr viel entgegenzusetzen.“ HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer wollte seiner Mannschaft unterdessen keinen Vorwurf machen: „Wir wollten schon gewinnen, waren ja auch die klarere, am Schluss sogar die körperlich präsentere Mannschaft.“

Für Nürnberg war es nach den Remis gegen Cottbus und Rostock das dritte Unentschieden im dritten Heimspiel, für die Gäste ist die Differenz zu den Bayern auf üppige acht Punkte angewachsen. Damit hat sich der HSV wohl erst einmal aus dem Kampf um den Titel verabschiedet.

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