Sport : Torlos unter Vollmond

Karsten Doneck

Wenn sich Fuchs und Hase Gute Nacht gesagt haben, kehrt in der Wuhlheide gewöhnlich Ruhe ein. Sollte man jedenfalls meinen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag müssen dort indes ein paar finstere Gestalten unterwegs gewesen sein. Sie drangen ins Stadion an der Alten Försterei ein und hinterließen auf dem Rasen, mit Kalk hingemalt, ihr Graffiti. "Pro AF" stand dann da, weiß auf grün. "AF - nur mal zur Erläuterung für unsere Gäste", sagte Präsident Heiner Bertram später auf der Pressekonferenz nach dem Spiel, "das hat nichts mit Terrorismus und RAF zu tun, das heißt: Alte Försterei." Das wiederum ist die Ballspielstätte des Zweitligisten 1. FC Union - ein Stadion, absolut bundesliga-untauglich, aber stimmungsvoll. Und Kult bei den Fans. Und weil Union ja im Falle des Aufstiegs irgendeine vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) akzeptierte Bleibe haben muss, und das, zumindest in ihrem jetzigen Zustand, nicht die Alte Försterei sein kann, fühlen sich umzugsunwillige Union-Fans bemüßigt, schon mal öffentlich kund zu tun, wo ihre fußballerische Heimat ist - und auch bleiben soll. Also werben sie "Pro AF".

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Nun, vielleicht sind alle Umzugsgedanken ja bald hinfällig. Weil der Klub möglicherweise gar nicht aufsteigt. Das 0:0 unter Vollmond am Gründonnerstag vor 12 395 Augenzeugen gegen die SpVgg. Greuther Fürth - auf einem am Vormittag mit Wasser und Putzlappen notdürftig von allen Schriftzügen bereinigten Rasen - beurteilte Gästetrainer Eugen Hach schon ganz richtig. "Dieser eine Punkt hilft uns im Aufstiegskampf wohl mehr als Union", stellte er fest.

Die Köpenicker begannen stark, aber als die ersten Chancen nicht zu den erwünschten Toren führten, ging bald darauf im Angriff die Zielstrebigkeit verlustig. Der Gast kam auf und selbst zu Möglichkeiten, was Union-Kapitän Steffen Menze nicht verwunderte: "Die Fürther gehören mit zu den Stärksten der Liga." 0:0 beim Abpfiff - und Sreto Ristic, Unions Torjäger, gab gleich mal die neue, bescheidenere Parole aus für die restlichen fünf Spiele. "Wir wollen den Aufstiegskampf so spannend wie möglich machen - bis zum Schluss", sagte er.

Die nächtliche Mal-Aktion der Fans wird übrigens kein Nachspiel haben. Union denke, laut Geschäftsführer Bernd Hofmann, nicht daran, Strafanzeige zu stellen. Heiner Bertram bevorzugt ohnehin den Dialog: "Wir werden die Fans bitten, etwas Ruhe zu geben für den Moment. Jetzt ist in dieser Sache eher Diplomatie gefragt."

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