Sport : Torsten Frings

Joachim Frisch

Mangelndes Selbstbewusstsein zählt nicht zu den Schwächen von Torsten Frings. Mit keinem Sportler der Welt möchte er tauschen, behauptet der Bremer, und wirklich unangenehme Gegenspieler hat er noch nicht kennen gelernt. Auch und erst recht nicht am Samstag bei Werders 3:0-Sieg beim Tabellenletzten FC St. Pauli.

Der 25-jährige Frings ist einer der Spieler, die Trainer "besonders wertvoll für die Mannschaft" nennen, unauffällig, aber effektiv. Aber keiner wie Kollege Eilts, der sich auf Rennen, Grätschen und Bolzen beschränkt. Frings ist auch in der Lage, den überraschenden Pass in die Spitze zu spielen, für Manager Klaus Allofs eine "Korsettstange in der Werder-Elf der Zukunft". Spitzenklubs wie Leverkusen und Dortmund haben sich deshalb bei Allofs schon ihren Korb abgeholt, bis Vertragsende (2003) soll Frings bleiben. Mindestens.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Seitdem Trainer Schaaf die Oldies Eilts und Herzog aussortierte, darf der Torsten Frings endlich seine Lieblingsrolle spielen, Abräumer auf der rechten Seite mit Drang nach vorne. Er macht dies so gut, dass er in Bremen sowohl Eilts als auch Herzog vergessen lässt, weil er deren Tugenden Kampf und Übersicht vereint. Das sagt zum Beispiel DFB-Trainer Horst Hrubesch: "Torsten ist der perfekteste Fußballer, den wir zurzeit haben". Sein Chef Rudi Völler sieht das nicht ganz so.

Bei Werders Gastspiel am Hamburger Millerntor hat Torsten Frings eine weitere Chance, auch den Teamchef zu überzeugen. Am Führungstreffer nach 18 Minuten ist er gleich beteiligt: In St. Paulis Strafraum verliert er ein Kopfballduell mit Oliver Held, doch der köpft aber dummerweise die eigene Hand an. Elfmeter. Skripnik verwandelt. Ansonsten zeigt Frings die ersten 40 Minuten soliden Fußball, ohne zu glänzen, eben das, was die Konkurrenten Jeremies, Ramolow oder Hamann auch können. In den letzten fünf Minuten vor der Pause wirft St. Pauli alles nach vorne, Werder und Frings haben Platz zum Kontern. Zweimal taucht er frei vor Bulat auf, zweimal schießt er aus spitzem Winkel knapp vorbei. Passabel, aber nicht brillant.

So leicht wie der FC St. Pauli in der zweiten Hälfte wird es ihm kein anderer Gegner machen, ein Tor zu schießen, das spürt Frings. In der 53. Minute drischt er aus acht Metern drauf, aber zu unplatziert: Bulat hält. Vielleicht hätte etwas mehr Raffinesse geholfen. Nach gut einer Stunde zeigt er, was er besser kann als Tore schießen: Mit einem Steilpass auf die Grundlinie hebelt er die Abwehr aus, doch die Stürmerkollegen bringen Bodes Flanke nicht im Tor unter.

An den zwei weiteren Toren von Ailton und Borowski ist Frings nicht beteiligt, er erledigt derweil souverän seine Defensivaufgaben. Ein ordentliches Spiel hat Torsten Frings gemacht, solide, kampfstark, mit spielerischen Ansätzen. Nicht mehr und nicht weniger. Reicht das für die Nationalmannschaft? Zwei Kurzauftritte in Freundschaftsspielen stehen bisher für ihn zu Buche. Um Teamchef Rudi Völler davon zu überzeugen, dass er für mehr taugt als für Kurzauftritte in Freundschaftsspielen, muss er öfter überragend spielen.

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