Sport : Torwart als Torjäger

Deutscher WM-Gegner Polen verliert 1:2 – nach einem Treffer von Kolumbiens Schlussmann

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Chorzow - Es kommt nicht oft vor, dass ein Torwart bäuchlings über den Rasen rutscht, um ein von ihm selbst erzieltes Tor zu feiern. Im polnischen Chorzow gab es diese Kuriosität gestern zu beobachten, Kolumbiens Torwart Luis Martinez machte den „Diver“, bevor ihm dann seine auf ihn zustürmenden Mitspieler Gesellschaft leisteten. Aus gutem Grund: 63 Spielminuten waren in der Partie zwischen Polen und Kolumbien vorbei, als Luis Martinez einen Abschlag gemacht hatte und sein polnischer Gegenüber Tomasz Kuszczak den langen Ball über seinen Kopf ins Netz fliegen sah. Offenbar hatte der ehemalige Ersatztorwart von Hertha BSC – in Berlin kam er nie zum Einsatz – die Flugbahn des Balles völlig falsch eingeschätzt. Sein hilflos wirkender Hüpfer ließ diesen Schluss zu. Kuszczaks Mannschaft hinterließ allerdings insgesamt in ihrem letzten Weltmeisterschafts-Testspiel einen überwiegend ungelenken Eindruck und unterlag den frech aufspielenden Kolumbianern 1:2 (0:1).

Für die Polen war es ein bitterer Abend. Im Spiel des vermeintlich stärksten deutschen WM-Vorrundengegners lief wenig zusammen. Kolumbien ging bereits in der ersten Halbzeit durch Elkin Murillo in Führung, bevor dann Torwart Martinez seinen großen Auftritt hatte. Das einzige polnische Tor erzielte Ireneusz Jelen in der Nachspielzeit. Doch die polnischen Fans feierten es kaum noch. Der Großteil der 20 000 Zuschauer im Stadion von Chorzow pfiff das eigene Team aus, vor allem Kuszczak. Der in der Halbzeit für Artur Boruc eingewechselte Tormann dürfte seine Chance, in der polnischen WM-Startelf am 9. Juni im ersten polnischen WM-Spiel gegen Ekuador zu stehen, gestern verspielt haben. „Noch ein Tor, noch ein Tor“, riefen die polnischen Fans spöttisch, wenn die Kolumbianer vor das polnische Tor kamen. Der in Polen beliebte Schlussmann Jerzy Dudek war von Nationaltrainer Pawel Janas überraschend nicht für die WM nominiert worden.

Eine mäßige Partie lieferte auch Stürmer Euzebiusz Smolarek, um dessen Einsatz es einige Verwirrung gegeben hatte. Der Stürmer vom Bundesligisten Borussia Dortmund leide unter einer Magenverstimmung und könne nicht spielen, hatten polnische Medien noch am Spieltag berichtet. Smolarek gehörte jedoch zur polnischen Startformation, konnte wie seine Mitspieler aber nicht überzeugen und wurde in der 64. Minute ausgewechselt.

Wenige Stunden nach der Niederlage reisten die Polen nach Deutschland, wo sie ihr WM-Quartier in der Sportschule Barsinghausen, unweit von Hannover, beziehen. Die Kolumbianer, die sich nicht für die Weltmeisterschaft qualifiziert haben, sind am Freitag in Mönchengladbach letzter Testspielgegner der Deutschen, die nun zumindest von den Torjägerqualitäten von Torwart Martinez wissen. dpa

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