Torwart-Frage : "Die Entscheidung war längst überfällig"

Die Nachrichtenagentur dpa dokumentiert Reaktionen zur Entscheidung für Jens Lehmann als WM-Torhüter.

Jürgen Klinsmann

(Bundestrainer): «Dies war die schwierigste Entscheidung meiner Amtszeit. Nach dem Spiel gegen die USA haben wir die Entwicklung in den vergangenen 22 Monaten intensiv analysiert und nun eine Entscheidung getroffen. Natürlich ist Oliver enttäuscht, aber er hat sich als wahrer Sportsmann präsentiert.»

Gerhard Mayer-Vorfelder (Präsident des Deutschen Fußball-Bundes): «Der DFB steht voll und ganz hinter der Entscheidung der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft. Dabei wird nicht verkannt, dass Oliver Kahn sich außergewöhnliche Verdienste um den deutschen Fußball erworben hat. Ich rufe die Öffentlichkeit dazu auf, diese Entscheidung mitzutragen und Jens Lehmann bei der Weltmeisterschaft zu unterstützen.»

Oliver Bierhoff (Nationalmannschafts-Manager): «Die Torhüterfrage wurde in der Öffentlichkeit in den letzten Wochen stark diskutiert. Die Trainer haben sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Ich appelliere an alle, diese Entscheidung zu respektieren und dem Team und Jens Lehmann das nötige Vertrauen entgegenzubringen.»

Lothar Matthäus (Deutscher Rekord-Nationalspieler): «Nach den letzten Leistungen hat sicher viel für Lehmann gesprochen. Oliver Kahn hatte von Beginn an überhaupt keine Chance.»

Michael Skibbe (Ex-Bundestrainer und Chefcoach von Bayer Leverkusen): «Es sind beides hervorragende Torwarte. Bei der WM wird auf jeden Fall ein deutscher Weltklasse-Schlussmann spielen. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe ist völlig unerheblich.»

Klaus Allofs (Manager Werder Bremen): «Jürgen Klinsmann steht als Bundestrainer in der Verantwortung und hat das Recht, diese Entscheidung zu treffen. Er wird seine Gründe dafür haben, Jens Lehmann zur Nummer eins zu machen. Diese Wahl sollte respektiert werden.»

Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender Eintracht Frankfurt): «Es kommt oft vor, dass sich ein Trainer zwischen zwei Spielern entscheiden muss. Die Erfahrung zeigt, dass Bayern München immer sehr souverän mit Situationen umgeht, die dem Verein nicht so gefallen.»

Peter Neururer (Trainer Hannover 96): «Eine weise Entscheidung, die früher hätte kommen müssen. Die Nummer drei sollte mit Robert Enke klar sein, falls Oliver Kahn nicht mehr will.»

Per Mertesacker (Nationalspieler Hannover 96): «Ich bin froh, dass eine Entscheidung gefallen ist. Sie war längst überfällig. Die Beteiligten wissen jetzt, woran sie sind.»

Thomas Brdaric (Nationalspieler Hannover 96): «Nach den starken Leistungen von Jens Lehmann in der Champions League konnte man damit rechnen. Einer muss immer der Verlierer sein. Ich bin gespannt, wie Oliver Kahn sich jetzt verhält.»

Hans Tilkowski (Ex-Nationaltorwart): «Jens Lehmann ist in glänzender Form und ein Torwart, der sich der Mannschaft unterordnet. Er spielt zudem sehr sachlich, deshalb ging meine Tendenz immer mehr zu ihm. Doch Lehmann und Oliver Kahn sind vom Leistungsvermögen in etwa gleich.»

Winfried Schäfer (Ehemaliger Bundesligatrainer und Ex- Nationalcoach Kameruns): «Der Zeitpunkt ist geschickt gewählt, nachdem Oliver gegen Köln nicht gut ausgesehen hatte und Jens mit Arsenal ins Halbfinale der Champions League eingezogen ist. Sicherlich sind beide Torwarte gleich stark, aber Olli hat gezeigt, dass man mit ihm Spiele gewinnt. Er ist ein Motivator. Das hat er auch gegen die USA in Dortmund bewiesen. So ist er nun ausgebootet. Jetzt muss er konsequent sein - auf die Bank setzen, das geht nicht. Olli hat das mit 36 Jahren nicht nötig. Wenn man einen Weltklasse- Torwart wie ihn hat, darf man ihn nicht von Beginn an in Frage stellen.»

Claudia Roth (Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen): «Jens Lehmann ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit, nicht nur als Spieler auf dem Platz, sondern auch dort, wo es um Haltungen zu gesellschaftspolitischen Fragen geht - zum Beispiel beim Engagement gegen Zwangsprostitution. Deutschland hat mit Jens Lehmann und Oliver Kahn zwei Weltklassetorhüter. Die Auswahl hat das ganze Land in Atem gehalten. Der deutsche Fußball wäre der Gewinner, wenn beide Torhüter beim Turnier dabei sind.» (tso/dpa)

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