Sport : Toskanische Eindrücke

Schon vor dem Saisonstart wird Jan Ullrich kritisiert

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Berlin - Jan Ullrich ist in diesem Jahr noch keinen einzigen Rennkilometer gefahren, trotzdem geht das Vorspiel für die Tour de France schon los. Er könne nicht verstehen, warum Ullrich überhaupt noch als Radprofi arbeite, zitiert die dänische Zeitung „B.T.“ Ullrichs ehemaligen Teamkollegen Bjarne Riis. Der jetzige Chef des Teams CSC habe Ullrich beim Training mit seinem Topfahrer Ivan Basso in der Toskana getroffen und dabei einen katastrophalen Eindruck von der Verfassung Ullrichs gewonnen. Riis, der 1996 die Tour de France mit der Hilfe von Jan Ullrich gewann und dafür ein Jahr später bei Ullrichs Triumph dessen wichtigster Helfer war, sagte, dass Ullrich wohl keine Lust mehr habe, aufs Rad zu steigen, und weit entfernt von seiner Topform sei. Er habe sein Talent weggeworfen. „Wenn Bjarne dieser Meinung ist, soll er sie äußern“, sagt T-Mobile-Teamchef Olaf Ludwig. „Uns interessiert das aber nicht, und Jan stört es auch nicht. Nachdem Lance Armstrong nicht mehr fährt, ist Basso der Favorit, er war letztes Jahr Zweiter. Wenn Äußerungen über die dahinter Platzierten gemacht werden, ist das nicht unser Weg. Da hat jeder seinen eigenen.“

Die Kritik von Riis an einem Fahrer eines anderen Rennstalls ist nicht nur ungewöhnlich und ungewöhnlich hart. Sie kommt zudem zu einem Zeitpunkt, zu dem Ullrich noch gar nicht gezeigt hat, ob er in Form ist oder nicht. Erst am kommenden Dienstag startet der 32 Jahre alte T-Mobile-Profi in der Schweiz bei der Tour de Romandie in die Saison.

Eigentlich wollte er seine Saison wie vor einem Jahr bei der Sarthe-Rundfahrt Anfang April beginnen, aber Ullrich verschob sein erstes Rennen. „Ich kann das Knie nach der leichten Reizung jetzt wieder voll belasten“, wird Ullrich auf der Homepage von T-Mobile zitiert. „Der erste Schritt ging nicht, jetzt machen wir den zweiten. Andere Fahrer haben auch das eine oder andere Problem in der Vorbereitung. Das passiert allen, aber nur bei Jan wird jedes Jahr darüber geredet“, sagt Olaf Ludwig. Im Gegensatz zu anderen Favoriten für die Tour de France wie Basso oder dem Spanier Alejandro Valverde, der am vergangenen Mittwoch den Klassiker „Fléche Wallonne“ gewann, will sich Ullrich die Tempohärte für die Tour de France wieder etwas später holen. Bei der Tour de Romandie soll Ullrich laut seinem persönlichen Betreuer Rudy Pevenage sechs Tage lang nur „mitfahren und Kilometer sammeln“.

In den vergangenen Jahren hatte der siebenmalige Tour-Sieger Lance Armstrong des Öfteren seine Verwunderung darüber ausgedrückt, dass sich sein Rivale Ullrich nicht in mehr Rennen vor der Frankreich-Rundfahrt Tempohärte hole. Im Training geht dies nur bedingt, in der Toskana absolvierte Ullrich intensives Tempo-Training hinter einem Motorrad. „Es ist bei jedem Fahrer unterschiedlich, wie er sich vorbereiten muss. Jan ist doch kein Neuling mehr, und es gibt in der kommenden Woche auch keine Vorgaben für ihn für eine Platzierung oder den Zeitrückstand.“

Neben Ullrich starten für T-Mobile bei der Tour de Romandie mehrere Fahrer, die wie Ullrich für einen Start beim Giro d’ Italia vorgesehen sind, der am 6. Mai beginnt. Ivan Basso hat angekündigt, in diesem Jahr Giro und Tour gewinnen zu wollen. „Für Jan wird es auch beim Giro darum gehen, Kilometer zu sammeln und von Tag zu Tag zu sehen, was geht“, sagt Olaf Ludwig. „Wenn er dann bei der Tour de France wieder voll da ist, ändern alle ihre Meinung wieder um 180 Grad.“

Wie in jedem Jahr wird es vor allem von Jan Ullrichs Abschneiden bei der Tour de France abhängen, ob das Rennjahr für T-Mobile erfolgreich war oder nicht. Mit dem bisherigen Saisonverlauf ist Ludwig trotz vieler guter Platzierungen seiner Fahrer „insgesamt nicht zufrieden“. T-Mobile hat bislang nicht den erhofften Sieg bei einem Klassiker geschafft. Heute, bei Lüttich - Bastogne - Lüttich, wird T-Mobile mit der gleichen Taktik wie in den letzten Rennen starten. „Da heißt es nicht alle für einen. Wir haben mit Sinkewitz, Wesemann, Keller und auch Mazzoleni vier Fahrer, die vorne landen können“, sagt Ludwig. Ganz anders als bei der Tour de France.

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