Sport : Total normal

Sebastian Vettel und Fernando Alonso eröffnen in Brasilien ihren Zweikampf um den WM-Titel.

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Kein Schulterschluss. Vettel und Alonso (r.) getrennt durch Schumacher. Foto: AFP
Kein Schulterschluss. Vettel und Alonso (r.) getrennt durch Schumacher. Foto: AFPFoto: AFP

Sao Paulo - Sebastian Vettel und Fernando Alonso wollen sich so normal wie möglich geben vor dem alles entscheidenden Formel-1-Rennen am Wochenende im brasilianischen Sao Paulo. Doch so ganz klappt das auf der ersten Pressekonferenz am Donnerstag nicht. Die Konkurrenten um den Weltmeisterschaftstitel ignorieren sich, so gut es geht. Als Vettel eine Frage beantwortet, tippt Alonso demonstrativ auf seinem Smartphone herum. Und als dann Alonso redet, unterhalten sich Vettel und der als Puffer quasi zwischen beiden sitzende Michael Schumacher angeregt. Und das von den Fotografen am Ende verlangte Einzelfoto mit den beiden Titelkandidaten kommt auch nicht zustande – weil beide darauf offensichtlich nicht viel Lust haben.

Doch auch wenn Alonso behauptet, er habe sicher weniger Druck, „weil ich ja nichts zu verlieren habe, weil der Normalfall ja der wäre, dass ich am Ende Zweiter bin“ – so drücken Mimik und Gestik doch etwas anderes aus. Als Michael Schumacher einmal über und mit dem Spanier scherzen will, bringt der nur ein gequältes Lächeln zustande. Sebastian Vettel dagegen schüttet sich fast aus vor Lachen, als ihm eine typisch englische Redewendung einschließlich eines netten Schimpfwortes herausrutscht. Sogar der daneben stehende Fia-Pressechef Matteo Bonciano muss mitlachen.

Vettel geht mit 13 Punkten Vorsprung ins Finale. Ein vierter Platz würde ihm auf jeden Fall zum dritten Titel in Serie reichen. Ihm nimmt man ab, dass er es schaffen könnte, dieses Wochenende tatsächlich als „ganz normales Wochenende“ zu sehen. Der Druck, sagt er, komme von der Erwartungshaltung – aber nicht unbedingt von der eigenen, sondern von der der anderen. Aber den Schuh dürfe man sich gar nicht erst anziehen, „man muss sich auf sich selbst konzentrieren. Und wir waren ja schon öfters in so einer Situation, Favorit zu sein.“ Und dann sagt Vettel direkt in Richtung Alonso: „Wir sind glücklich damit, in dieser Position zu sein – ich glaube, Fernando wäre auch lieber in unserer.“

Für den Weltmeister ist klar: „Das Geheimnis ist, das Wochenende anzugehen wie jedes andere auch, von Anfang an darauf hinzuarbeiten, das Optimale herauszuholen. Wir sind hier, um anzugreifen“, schiebt er sämtlichen Theorien, er könne vielleicht auf Sicherheit gehen und nur auf Platz fahren, sofort einen Riegel vor. Dass so etwas auch schiefgehen kann, das bekam Gegner Fernando Alonso selbst schon einmal zu spüren. 2010 ging er in Abu Dhabi gegenüber Vettel mit 15 Punkten Vorsprung ins Finale. Auch dem Spanier hätte damals ein vierter Platz gereicht. Doch am Ende blieb Alonso hinter Witali Petrow im Renault hängen und wurde nur Siebter. Allerdings sei die Situation heute schon ein bisschen anders. Besser für Vettel, wie zumindest sein Rivale glaubt: Heutzutage könne kann man dank der technischen Entwicklung leichter wieder von hinten nach vorne durchfahren. „Sebastian hat das ja in Abu Dhabi gezeigt, als er vom letzten Startplatz aus Dritter wurde.“

Was Vettel am meisten fürchten muss, ist ein Ausfall – dann würde Alonso schon ein dritter Platz zum Titelgewinn reichen. Unwägbarkeiten also, wie die anfällige Lichtmaschine im Red Bull oder der für das Wochenende vorhergesagte Regen in Sao Paulo, können vieles durcheinanderwürfeln. „Aber die Bedingungen sind für alle gleich“, versucht Vettel das Risiko kleinzureden. Diese Faktoren seien allesamt nicht der Hauptgegner für ihn und sein Team: „Unser Hauptgegner sind wir selbst, denn es ist nie einfach, ein perfektes Wochenende hinzulegen.“

Für Fernando Alonso hingegen ist klar: „Ich glaube nicht, dass wir in der Qualifikation viel weiter vorne stehen werden als zuletzt. Also müssen wir schauen, dass wir im Rennen irgendwie aufs Podium fahren.“ Deshalb gelte es zunächst einmal, genügend Punkte zu holen, um den Rückstand überhaupt wettmachen zu können. Erst dann würde der Blick zu Red Bull gehen. Oder mit anderen Worten ausgedrückt: „Es liegt nicht in unserer Hand.“ Karin Sturm

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