Sport : Totales Vakuum

Welt-Antidoping-Agentur attackiert die US-Regierung

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Montreal (dpa). Die WeltAntidoping- Agentur Wada hat der amerikanischen Regierung vorgeworfen, kein Interesse am Kampf gegen verbotene Leistungssteigerung im Sport zu haben. „Da besteht ein totales Vakuum. Es ist eine Leere, die uns beunruhigt“, erklärte Wada-Vorsitzender Richard Pound in Montreal. Diese mangelnde Unterstützung durch die Administration von Präsident George W. Bush könne zu Sanktionen gegen das US-Team bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen führen und die Bewerbung um Olympia 2012 in New York bedrohen.

Wie Pound mitteilte, gehören die USA zu den Ländern, die ihren Beitrag zum Wada-Etat überwiesen haben. Allerdings zahlten die Amerikaner statt der vereinbarten eine Million nur 800 000 Dollar. Die Wada bekäme große Unterstützung vom amerikanischen Kongress, nicht aber vom Weißen Haus, sagte Pound. Diese Haltung sei gerade nach den Dopingfällen mit dem Designer-Steroid THG und Modafinil sowie den Affären, in denen der US-Leichtathletik-Verband (USATF), das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) und die Baseball-League NBA verwickelt sind, „immer weniger erklärbar“. Scharf zurückgewiesen hat Jennifer de Vallance, Sprecherin des Büros der Nationalen Drogen-Polizei im Weißen Haus, die Kritik der Wada. Pounds Vorwürfe seien „unaufrichtig und unproduktiv“.

Noch in dieser Woche will die Wada laut Pound über Sanktionen gegen Regierungen entscheiden, die ihrer Beitrags-Verpflichtung nicht nachgekommen sind. Als mögliche Strafen nannte er eine Verweigerung von Akkreditierungen für Regierungsvertreter der jeweiligen Länder bei den Olympischen Spielen in Athen sowie das Verbot der Benutzung von Nationalflaggen bei Eröffnungs- und Schlusszeremonie sowie bei Siegerehrungen. Selbst ein Ausschluss von säumigen Ländern bei Olympia-Bewerbungen sei denkbar.

Eingelenkt hat die Wada hingegen im Streit um die Zwei-Jahres-Regelsperre bei Doping-Verstößen. „Jeder Dopingfall ist einmalig und muss so behandelt werden“, erklärte Pound und signalisierte damit erstmals offiziell eine Kehrtwende. Angeführt vom Fußball-Weltverband Fifa hatten die olympischen Mannschafts-Sportverbände gegen diesen im Welt-Antidoping-Code festgeschriebenen automatischen Bann opponiert. Sie forderten bereits bei der Verabschiedung des Kodex im März in Kopenhagen eine Einzelfall-Entscheidung mit variablem Strafmaß.

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