Sport : Totti, Identifikationsfigur

Der 27-jährige Römer kann nicht verlieren

Mathias Klappenbach

Als vor zwei Wochen nach der Niederlage gegen den AC Mailand klar war, dass der AS Rom wieder nicht den italienischen Meistertitel gewinnen wird, hat Francesco Totti seinem Verein ein Ultimatum gestellt. Die Mannschaft müsse verstärkt werden, sonst würde er zu Real Madrid gehen. Das haben andere Stars auch schon gesagt, bei Totti ist es aber etwas ganz Besonderes. Der 27 Jahre alte Totti ist in Rom geboren und aufgewachsen. Und er hat bisher nirgendwo anders Fußball gespielt als beim oft chaotischen AS Rom. Wegen seiner Leistungen dort und in der Nationalmannschaft gehört er zu den beliebtesten Sportlern in ganz Italien. Und jetzt droht die von den Fans vergötterte Identifikationsfigur dem Verein, dem sie alles und der ihr so viel zu verdanken hat, mit Abschied?

Manche mögen zunächst gedacht haben, dass es sich um einen Scherz aus dem in Italien beliebten Witzbuch über den angeblich an Intelligenzmangel leidenden Totti handelt. Unter Humormangel leidet er jedenfalls nicht, er autorisierte das Buch, das für einen guten Zweck einige hunderttausend Mal verkauft wurde. Sein Ultimatum an die Vereinsführung ist aber kein Scherz, sondern ein anderer Ausdruck des unbändigen Siegeswillens, der den antritts- und dribbelstarken Dynamiker immer wieder in hohem Tempo vor das Tor des zu besiegenden Gegners treibt. Früher hat Totti, der mit 16 Jahren erstmals in der Serie A zum Einsatz kam, auf dem Platz oft die Beherrschung verloren – weil er nicht verlieren kann.

Totti ist kein Stürmer, er ist ein extrem offensiver Mittelfeldspieler. 20 Tore hat er in der Ligasaison erzielt, mit Neu-Nationalspieler Antonio Cassano hat er zudem einen perfekten Abnehmer für seine punktgenauen Steilpässe an seiner Seite. Das hat in diesem Jahr zu Platz zwei gereicht. Aber Totti geht in die Arena, um zu gewinnen. Deshalb hat er die Verpflichtung des Niederländers Edgar Davids und die von Christian Vieri gefordert.

Mit dem Angreifer von Inter Mailand wird er auch bei der EM in Portugal stürmen. Italiens Nationaltrainer Trapattoni hat mit Cassano, Del Piero, Corradi oder dem noch verletzten Inzaghi in der Offensive viele gute Optionen für verschiedene Spielsysteme. Welches er auch wählt – Totti hat seinen Platz sicher. Schließlich muss der römische Held seine Mission erfüllen. Bei der EM 2000 kam Italien mit dem überragenden Totti ins Finale und führte bis 20 Sekunden vor Schluss gegen Frankreich, das aber am Ende als Sieger vom Platz ging. Das kann Francesco Totti nicht auf sich sitzen lassen. Nicht mal im Spaß.

Bis zur Fußball-EM stellen wir aus jeder Mannschaft einen Spieler vor, dem wir eine entscheidende Rolle zutrauen.

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