Sport : Tour de France: Armstrong degradiert Berge zu Hügeln (Kommentar)

Karsten Doneck

Wie heißt es doch so schön: Der Wille versetzt Berge. Wer gesehen hat, wie leichtgängig Lance Armstrong auf seinem Rennrad durch die Pyrenäen huschte, der gewann tatsächlich den Eindruck, da versetze einer Berge. Oder zumindest schien Armstrong die Pyrenäen zeitweise zu einer Art Hügellandschaft zu degradieren. Welche Strapazen die Fahrer auf den Bergetappen bei der Tour de France wirklich zu bewältigen haben, das spiegelt sich nur in den Gesichtern von Armstrongs Gegnerschaft wider.

Tour der Leiden? Das erleben nur die Anderen. Armstrong fährt in einer eigenen Liga. Und in Gelb. Jan Ullrich, Deutschlands Hoffnung aus dem Telekom-Rennstall, wirkt gegen den eleganten, aber vor Kraft nur so strotzenden Texaner fast schon wie ein Lkw auf Serpentinen-Fahrt: stark zwar, aber eben doch zu langsam. Armstrongs Souveränität lässt befürchten: Der großen Schleife in Frankreich droht die große Langeweile. Der 28-Jährige aus dem US-Postal-Team hat sich aufgemacht zu einer noch zehn Etappen dauernden Triumphfahrt in Richtung Paris.

Aber auf ihn lauern noch harte Prüfungen: Morgen geht es 1909 m hinauf zum Mont Ventoux, es folgen schwere Etappen in den Alpen. Die Spannung bei dieser Tour nährt sich nun in erster Linie aus der Frage: Gönnt sich ein so souverän sein Pensum herunterspulender, ein mit den anderen Fahrern fast spielender Armstrong bei diesen Torturen auch mal eine Schwächeperiode?

Lance Armstrong, der ein Krebsleiden erfolgreich bekämpfte, hat kürzlich seine Biografie veröffentlicht. Der Titel des Buches: Tour des Lebens. Ein neues, brandaktuelles Kapitel schreibt er jetzt - auf Frankreichs Straßen.

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