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Tour de France : Chris Froome siegt und baut seinen Vorsprung weiter aus

Der Brite Chris Froome hat die erste Pyrenäen-Etappe der 102. Tour de France gewonnen. Der Gesamtsieg scheint ihm kaum mehr zu nehmen.

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Chris Froome ist kaum mehr einzuholen.
Chris Froome ist kaum mehr einzuholen.Foto: AFP

Gleich am ersten Tag in den Bergen erwies sich der Sieger von 2013 auch als der Dominator dieser Tour de France. Etwa sechs Kilometer vor dem Ziel der zehnten Etappe auf der Skistation Pierre-Saint-Martin trat Chris Froome plötzlich an. Und dabei ließ er seinen Teamgefährten Richie Porte sowie seinen kolumbianischen Kontrahenten Nairo Quintana stehen, als hätten die beiden Blei an den Füßen.
Andere Fahrer waren zuvor schon längst zurückgefallen. Alberto Contador verschwand sieben Kilometer vor Schluss aus der Spitzengruppe, Vorjahressieger Vincenzo Nibali noch früher. Auch die Mitfavoriten Thibaut Pinot und Christophe Peraud fuhren da bereits im eigenen Tempo hinter der Spitzengruppe hinterher. Frankreichs Helden hatten am Nationalfeiertag nichts zu bestellen.

Niemand konnte Froome folgen

Froome aber zeigte eine schier unvorstellbare Vorstellung und holte mehr als eine Minute Vorsprung auf seinen härtesten Rivalen Quintana heraus. „Das ist ein Traumszenario. Der erste Tag in den Bergen und wir haben nicht nur das Gelbe Trikot verteidigt, sondern den Etappensieg geholt und den Vorsprung ausgebaut“, jubilierte der Brite im Ziel. „Wir wollten eigentlich gar nicht aggressiv fahren. Als wir aber gesehen haben, dass Contador und Nibali nicht mehr konnten, habe ich zu meinen Teamkollegen gesagt: Jungs, lasst uns das Ding machen.“ Und genau das taten dann der Australier Porte und der Waliser Geraint Thomas. Sie fuhren in bestialischem Tempo den Berg hinauf. „Und ich konnte dann angreifen, als der Berg noch schön steil war“, sagte Froome.

Tatsächlich nutzte Team Sky die Vorarbeit von Quintanas Movistar-Helfern aus. Fünf Fahrer verschliss der spanische Rennstall am ersten Teil des 15 Kilometer langen Schlussanstiegs und zersplitterte dabei das Peloton. Jeder, der sich für einen guten Bergfahrer hielt, bekam hier seine Grenzen aufgezeigt. Neben den zuvor Genannten büßten auch der Franzose Warren Barguil und der Allgäuer Dominik Nerz vom Team Bora viel Zeit ein (mehr als sechs Minuten).

Im Ziel wurde Froome sofort nach Doping gefragt

Verhältnismäßig frisch sah noch dessen Teamkollege und Deutsche Meister Emanuel Buchmann aus, als er die Ziellinie passierte. „Ich habe mich gut gefühlt heute. Aber bei Dominik lief es nicht so gut und ich musste bei ihm bleiben“, sagte der Ravensburger. Ein gutes Bild für den deutschen Radsport lieferte auch noch André Greipel ab. Der Rostocker setzte sich im Zwischensprint durch und holte sich das Grüne Trikot vom Slowaken Peter Sagan.
So richtig feiern konnte im Ziel jedoch nur Froome. Seine Leistung versetzte besonders die Konkurrenz ins Staunen. Sean Yates, einst sportlicher Leiter bei Sky und jetzt in den Diensten von Alberto Contadors Tinkoff-Team, wagte gar einen Vergleich mit vergangenen Zeiten. „Froome war heute meinem Eindruck nach stärker als Tyler Hamilton 2003 bei seinem Etappensieg hier“, sagte er. Zwar war Hamilton damals allein unterwegs, auch erklomm er nicht den kompletten Gipfel, aber er war damals von Epo getrieben.
Und so wurde die Pressekonferenz für Froome fast ebenso hart wie die Etappe. „Chris, wie kann man glauben, dass du sauber bist“, wurde er gefragt. Der 30-Jährige konterte: „Was soll ein sauberer Fahrer denn noch alles machen? Ich habe den Radsportinstitutionen vorgeschlagen, Nachtkontrollen durchzuführen. Ich habe sie auf Kontrolllücken auf den Kanarischen Inseln hingewiesen, als sich dort die Tour-Favoriten vorbereiteten.“

Dann befasste sich Froome lieber mit seiner Dominanz. Als seine größten Gefahren nannte er nicht mehr menschliche Gegner, sondern „Stürze oder einen Defekt zum unpassenden Zeitpunkt“. Die Zeit der Übermenschen scheint wieder angebrochen.
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