Sport : Tour de France: Die Chefs verlieren keine Zeit

Hartmut Scherzer

Die Asse der 88. Tour de France haben auf den ersten acht Kilometern bereits das Feld sortiert. Drei Sekunden trennten nach dem Prolog in Dünkirchen Lance Armstrong und Jan Ullrich, die den dritten und vierten Platz hinter dem Franzosen Christoph Moreau und dem Spanier Igor Gonzalez Galdeano belegten. Ein Franzose übernimmt zum Auftakt von Lance Armstrong das Gelbe Trikot - besser hätte für die Grande Nation ihr gigantisches Spektakel nicht beginnen könnnen. Der 30-jährige Moreau, im vergangenen Jahr Tour-Vierter, ist die große Hoffnung der Franzosen, in den Zweikampf zwischen dem Amerikaner und dem Deutschen eingreifen zu können. Der Kapitän des Festina-Teams, einer der Dopingsünder des 98er Festina-Skandals, bewältigte die 8,2 km entlang der Strandpromenade und auf den geraden und flachen Straßen der Küstenstadt in 9:20,50 Minuten. Er war mit Tempo 52,714 schneller als die Polizei erlaubt, drei Sekunden schneller als Galdeano, vier Sekunden schneller als Armstrong und sieben Sekunden schneller als Ullrich. Der Spanier Joseba Beloki, Tour-Dritter 2000 und ebenfalls einer der Favoriten, war 13 Sekunden langsamer und landete auf dem siebenten Platz.

Zum Thema Online Spezial: Tour de France 2001 Die Abstände sind Wimpernschläge und ohne Bedeutung für den weiteren Verlauf der Tour. Aber die Favoriten haben gleich demonstriert, wer die Chefs auf den restlichen 3456 Kilometern sein werden. Ein Außenseiter wie vor einem Jahr der Engländer David Millar hatte diesmal im Konzert der Stars keine Chance. Jan Ullrich, der noch nie einen Prolog gewonnen hat und auch im letzten Jahr Vierter geworden war, beeindruckte im Trikot des Deutschen Meisters mit seinem ästhetischen Fahrstil und dem hohen Gang (54 x 11). Für ihn sind diese Strecken im Kampf gegen die Uhr einfach zu kurz. "Ich bin froh, dass ich nicht zuviel verloren habe", sagte er gelassen. "Aber das hier ist eh nur Spielerei. Das war Warmfahren. Die Tour beginnt erst morgen", sagte Ullrich gestern. Auch sein Sportdirektor vom Team Telekom, Rudy Pevenage, war überaus zufriedenj. "Jan hat gezeigt, dass er da ist. Der kleine Rücktstand gegen Armstrong bedeutet nichts. Jan hat keinen Fehler gemacht und wird eine starke Tour fahren. Wir sind sehr zufrieden." Im Fahrerlager der Telekom hatte sich die Prominenz die Ehre gegeben. Beim Warmstrampeln der Radler erschienen Verteidigungsminister Rudolf Scharping und Konzernchef Ron Sommer.

Seine ausgezeichnete Verfassung unterstrich Once-Profi Jörg Jaksche aus Ansbach. Der frühere Telekom-Fahrer kam nach 9:38 Minuten an und war "trotz schlechtem Start" wesentlich zufriedener als Jens Voigt (9:46). "Das war nicht so doll. Vielleicht habe ich zuviel trainiert", sagte der Berliner vom französischen Rennstall Credit Agricole. Nicht ganz einordnen konnte der für das niederländische Rabobank-Team startende Hannoveraner Grischa Niermann seine 9:47 Minuten: "Ich war nicht besonders gut, aber besser als beim Prolog im letzten Jahr."

Mit 10:05 Minuten musste sich Festina-Fahrer Sven Teutenberg begnügen, dennoch empfand der Mettmanner seine Tour-Premiere gelungen: "Der Wind hat mich etwas aus dem Rhythmus gebracht. Aber die Zuschauer haben mich wieder motiviert". Lange Zeit bester Telekom-Profi war Tour-Debütant Andreas Klöden (9:39), den die Kulisse beeindruckte. "Die ersten sechs Kilometer gingen ganz gut. Dann habe ich mich im Gegenwind etwas übernommen", sagte der Olympia-Dritte. Im Bereich ihrer Möglichkeiten blieben seine Teamgefährten Jens Heppner (10:04), Hartmut Bölts (10:13) und Giuseppe Guerini (10:18). Eine gute Vorstellung bot in 10:06 Minuten Erik Zabel, der am Abend mit Ehefrau Cordula und den Telekom-Gefährten seinen 31. Geburtstag mit einer kleinen Sektrunde im Manschaftshotel feierte. Der Sprintstar ist auch ohne seinen nicht für die Tour nominierten Helfer Gian-Matteo Fagnini optimistisch hinsichtlich eines Etappensieges. Ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk in dieser Hinsicht könnten ihm seine Teamkollegen heute machen.

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