Sport : Tour de France: Einer hat schon gewonnen

Helmut Schümann

And the winner is - wahrscheinlich Lance Armstrong (für die Realisten), vielleicht auch Jan Ullrich (für die Optimisten). Würde der Oscar verliehen bei der Tour de France, der Preis des besten Nebendarstellers wäre schon vergeben. Den kriegt Francois Simon. Doch ach, die Pyrenäen sind nicht Hollywood, so kriegt Monsieur Simon morgen abend nichts, aber das Gelbe Trikot vom Leib gezerrt. Seit Dienstag durfte er es durch sein Heimatland tragen - und wußte dabei doch immer, dass seine Tage des Stolzes endlich sind, weil er sie nur einer gönnerhaften Geste der hohen Herren des Radsports verdankte.

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Bilder von der "Großen Schleife" Was wird ihm bleiben, dem Mann, den vor der Tour nur die Experten kannten, dessen Leben sich vorwiegend um Radnaben und Zahnkränze dreht? Die Erkenntnis, dass, wer stetig sich bemüht, am Ende vielleicht doch nicht immer belohnt wird. Er wird machen können, was er will, die Armstrongs/Ullrichs werden ihn doch unbarmherzig überrollen. Wie bitter das ist. Auch bleibt ihm das private Glück, etwas mehr als jene Viertelstunde Ruhm, die Andy Warhol jedem Erdenbürger zubilligte, erhascht zu haben. (Für Pessimisten: Möglicherweise kann er auch zehren vom kurzen Besitz eines Hemdchens, welches Jan Ullrich in diesem Jahr nur sehen durfte). Aber vor allem werden die Momente bleiben, in denen er auf dem Podest stand, das Kind im Arm, strahlend, gelb wie die Sonne in die Kameras lachte. Man konnte sich in den Momenten wieder versöhnen mit diesem Sport. Weswegen wahrscheinlich Lance Armstrong als Erster in Paris sein wird, vielleicht auch Jan Ullrich - weswegen aber der Gewinner der Tour 2001 Francois Simon heißt.

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