Sport : Tour de France: Euphorie auf Bewährung (Glosse)

Sebastian Arlt

Was für eine Tour! Der Triumph des überragenden Lance Armstrong, die Sprintduelle zwischen Marcel Wüst, Erik Dekker, Tom Steels und Erik Zabel, Marco Pantanis "Flug" hinauf nach Courchevel, das Ende der Männerfreundschaft zwischen ihm und Armstrong, Jan Ullrichs beeindruckende Antwort auf die gegen ihn gerichtete Kritik während der letzten Alpenetappe und eine nie für möglich gehaltene Radsportbegeisterung in Südbaden - die an Mythen so reiche Tour de France bot alles, was eben diese Rundfahrt einmalig macht. Nur 1989, als Greg Lemond mit acht Sekunden Vorsprung auf Laurent Fignon gewann, sei die Tour während seiner Amtszeit noch schöner gewesen, meinte der altgediente Technische Leiter Jean-Marie Leblanc glücklich. Die Legende lebt, das Fiasko durch den Dopingskandal 1998 scheint vergessen zu sein.

Und doch: Wie ein Damokles-Schwert habe das Thema Epo über der Tour geschwebt, gibt sogar Leblanc zu. Doping - schon vor der ersten Etappe waren drei Fahrer wegen zu hoher Hämatokritwerte ausgeschlossen worden. Niemand könne die Tour mit einem natürlichen Hämatokritwert gewinnen, behauptete Giorgio Squinzi, der Chef des italienischen Mapei-Teams. Ist Epo nicht schon out, sind andere noch nicht nachweisbare Mittel inzwischen in? Gerüchte und Unterstellungen beherrschen die Szene. Man kommt automatisch ins Grübeln bei dem, was die Radprofis auf ihrem Weg nach Paris jedes Jahr leisten.

Seit dem Tiefpunkt vor zwei Jahren mit Razzien und Verhaftungen fährt die Tour auf Bewährung. Mehr als hundert Doping-Kontrollen wurden diesmal durchgeführt, kein Fahrer wurde ertappt. Teilweise wurde der Urin eingefroren, nach einem neuen Untersuchungsverfahren soll nachträglich kontrolliert werden. Hoffentlich muss dann die Geschichte der großen Tour 2000 nicht neu geschrieben werden.

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