Tour de France : Skepsis gegenüber Rasmussen

Vom Verband suspendiert, bei der Tour weiter in Gelb: Michael Rasmussen weckt viele Zweifel. Über den Fahrer kursieren schon lange Gerüchte.

Sebastian Moll
Rasmussen
Vorbei gemogelt: Weil Kontrolleure Rasmussen nicht zu Doping-Kontrollen antrafen, hat sein dänischer Verband ihn aus der...Foto: AFP

MontpellierGerüchte kursierten schon lange. Doch seit gestern steht Michael Rasmussen, seit vergangenen Sonntag bei der Tour de France Träger des Gelben Trikots, unter verschärftem Doping-Verdacht. Es gibt keine positive Dopingprobe des dänischen Bergspezialisten, dafür jedoch einige "Auffälligkeiten in seinem Verhalten und in seiner Einstellung", wie es am Freitag in einem Kommuniqué des dänischen Radsportverbandes hieß. Dieser verwarnte seinen besten Fahrer deshalb und strich ihn am 29. Juni aus dem Nationalkader für die Weltmeisterschaft im Herbst in Stuttgart. Grundlage dafür war, dass Rasmussen bei Trainingskontrollen am 8. Mai und 28.Juni nicht anzutreffen war.
 
Die Entscheidung wurde erst gestern nach einem Bericht des dänischen TV-Senders DR1 bekannt. Dabei hatte auch der Radsportweltverband UCI von der Verwarnung gewusst, wie dessen Präsident Patrik McQuaid zugab. "Wir hatten keine Möglichkeit, ihn an einem Tour-Start zu hindern", erklärte McQuaid. Zwei verpasste Trainingskontrollen werden nach UCI-Regularien noch nicht als Vergehen angesehen, drei hingegen wie eine positive Dopingprobe gewertet. Ebenfalls gestern teilte jedoch der Geschäftsführer des dänischen Radsportverbandes, Jesper Worre, mit, dass es zwei weitere Fälle gegeben hatte, bei denen Rasmussen von den Kontrolleuren nicht gefunden werden konnte. Worre behauptet, diese Vorfälle der UCI gemeldet zu haben. Warum der Weltverband nicht darauf reagierte, ist unklar.

Der Chef der Tour Organisation ASO, Patrice Clerc, bekräftigte am Freitagabend, dass es keine Grundlage dafür gebe, Rasmussen nun von der Tour auszuschließen. Clerc verwies auf die zahlreichen Dopingtests vor und während der Tour, die Rasmussen anstandslos bestanden hatte. Allerdings müsse man sich fragen, warum man nicht vor der Tour über diese Dinge informiert worden sei. Rasmussen selbst tat die Angelegenheit als Bagatelle ab: "Es ist doch gar nichts passiert. Ich bin lediglich wegen eines kleinen administrativen Fehlers verwarnt worden." Als er sich während einer Pressekonferenz gestern weiter erklären wollte, wurde er von einem Mitarbeiter der Tour-de-France-Organisation von der Bühne gezogen.

Theo de Rooy, Manager von Rasmussens Rabobank-Team, hat von den Verwarnungen gewusst, findet aber, dass die negativen Dopingtests Rasmussens Glaubwürdigkeit ausreichend belegen. Verantwortliche anderer Mannschaft sehen das nicht so. Bob Stapleton vom T-Mobile-Team etwa sagte, dass gemäß der internen Regeln seines Teams Rasmussen nach einer Verwarnung durch die UCI nicht mehr fahren würde.

Wohnsitz in Mexiko

Gründe zur Skepsis gegenüber dem ehemaligen Mountainbikeprofi, der erst 2001, mit 27 Jahren, mit dem Straßenradsport begann, gab es schon länger. So hält er sich häufig zum Training in Mexiko, der Heimat seiner Ehefrau, auf, wo es schwierig und kostspielig ist, ihn überraschend zu kontrollieren. Er besitzt auch eine Lizenz des mexikanischen Verbandes und unterliegt somit dessen vermutlich nicht eben üppig ausgestatteten Kontrollsystem. In diesem Jahr war Rasmussen der letzte Tour-Fahrer, der den Ethik-Code der UCI unterzeichnete.

Auch seine Zusammenarbeit mit dem italienischen Trainer Paolo Rosola nährt Spekulationen. Rosola hatte auch Mountainbike-Olympiasiegerin Paola Pezzo betreut, die später wegen Anabolika-Dopings gesperrt wurde. Am Freitag erzählte nun der ehemalige amerikanische Mountainbikeprofi Whitney Richardson dem US-Radsportportal "Velonews.com", dass Rasmussen ihn 2002 darum gebeten habe, für ihn Fahrradschuhe von den USA nach Italien zu bringen. Richardson entdeckte nach eigenen Angaben in dem Schuhkarton künstliches Hämoglobin und vernichtete es.

Ungewöhnliche Berg-Leistung

Ferner rechnete der Sportwissenschaftler Antoine Voyer aus, dass Rasmussen am vergangenen Wochenende bei seiner Fahrt ins Gelbe Trikot am entscheidenden Anstieg mehr Leistung erbracht habe als die Kletterkönige Pantani und Virenque zu ihrer Zeit. Von beiden weiß man, dass sie seinerzeit mit Epo hantierten.

Rasmussen würde seine Leistung mit der Präzision der Vorbereitung erklären. So reduziert der Däne an seiner Rennmaschine sowie an sich selbst kompromisslos das Gewicht. Das Rad wiegt 6,8 Kilo, er selbst 56 Kilo, bei einer Körpergröße von 1,75 Meter. Gesund ist das nicht. Aber Magersucht ist keine verbotene Methode der Leistungssteigerung. Fraglich ist aber, was jemand, der so weit für den Sieg geht, noch alles dafür tun würde.

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