Tour de France : Umstrittener Winokurow: Als Teamchef endlich Gelb

Der umstrittene Alexander Winokurow ist längst wieder fester Bestandteil der Tour de France. Jetzt jubelt der Kasache als Teamchef über sein erstes Gelbes Trikot. Sein Kapitän Vincenzo Nibali fährt unbeirrt auf Siegkurs.

Wieder auf der französischen Piste: Alexander Winokurow. Foto: dpa
Wieder auf der französischen Piste: Alexander Winokurow.Foto: dpa

In Kasachstan ist er ein kleiner Kaiser, zumindest ein hoch angesehener Oberst der Streitkräfte - ehrenhalber. Außerhalb seiner Heimat gilt Alexander Winokurow vielerorts als das personifizierte schlechte Gewissen des Radsports, ein Relikt aus dunklen Zeiten. Die Liste seiner Verfehlungen ist fast noch länger als die seiner Erfolge als Radprofi. Bei der 101. Tour de France kann er sich als allmächtiger Team-Manager der Astana-Equipe jeden Tag über das Gelbe Trikot seines Kapitäns Vincenzo Nibali freuen. Als Profi trug er es nie. „Nur virtuell“, wie er scherzt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass er mit dem Italiener auf den Pariser Champs-Élysées am 27. Juli groß feiern wird.

Nachtragend - das ist die Tour auch in seinem Fall nicht. Schon 2010 durfte Winokurow zurückkommen, obwohl er drei Jahre zuvor mit Fremdblut-Doping aufgefallen und achtkantig herausgeflogen war. Der jetzt 40-Jährige erhielt nur ein Jahr Sperre, trat zweimal nur scheinbar zurück und kam immer wieder. 2012 gelang ihm mit dem Gewinn der Goldmedaille im Straßenrennen von London der größte sportliche Coup. Vorher hatte er Beschuldigungen wegen eines Bestechungsversuchs locker weggesteckt. Er soll seinem Landsmann Alexander Kolobnew 150 000 Euro gezahlt haben, damit der ihm den Sieg im Frühjahrs-Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich überließ. Er habe das Geld seinem gerade etwas klammen Freund Alexander geliehen, erklärte er damals.

Ressentiments in Frankreich spüre er nicht, sagt Winokurow, der seit 2013 als Team-Manager mit einem geschätzten Jahresetat von rund 15 Millionen Euro arbeiten kann. „Wieso? Doping? - das ist vorbei. Die Seite ist längst umgeschlagen. Der Radsport hat sich in den letzten Jahren geändert, transparenter, ehrlicher“, erklärt der Teamchef der Nachrichtenagentur dpa. Die Verbindungen zu früher ließ er selbstverständlich nie abreißen. „Ich hole mir noch Tipps bei meinem alten Teamchef Walter Godefroot, wir schreiben uns SMS und besuchen uns“, berichtet Winokurow, der beim einstigen deutschen Vorzeige-Rennstall Telekom mit Jan Ullrich durch dick und dünn ging.
Doping leugnet er bis heute.

Der Vuelta-Gewinner von 2006, der drei Monate zuvor wegen Verwicklungen seines Liberty Seguros-Teams in den Fuentes-Doping-Skandal am Tag des Tourstarts die Rote Karte erhalten hatte und nicht starten durfte, wird dem Radsport weiter erhalten bleiben. Im Mai habe er sich in der Landeshauptstadt Astana mit dem Briten Brian Cookson, dem neuen Präsidenten des Weltverbandes UCI, ausgesprochen. „Es war ein offenes, sehr gutes Gespräch“, meinte Winokurow, der am Start der elften Tour-Etappe in Besancon eine Art Baskenmütze mit Teamemblem, hellblau mit einem Stich ins Grüne, trug. Er wirkt ein wenig wie ein kleiner Feldherr. Ein Blick von ihm genügt, und Helfer und Mechaniker springen. (dpa)

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