Tour de France : Weltpremiere für den Motorscanner

Tony Martin wird beim Prolog der Tour de France Zweiter und erlebt danach eine Weltpremiere: Erstmals werden die Räder bei der Frankreichrundfahrt auf Elektromotoren im Rahmen untersucht.

Tom Mustroph
Tony Martin kämpft sich beim Prolog der Tour de France auf Platz zwei.
Tony Martin kämpft sich beim Prolog der Tour de France auf Platz zwei.Foto: dpa

Fast hätte Tony Martin den Tag der Deutschen noch mit einem Gelben Trikot bei der Tour de France veredelt und der Rundfahrt selbst ein frisches Antlitz beschert. Doch beim Prolog in Rotterdam wurde er vom Schweizer Fabian Cancellara um zehn Sekunden geschlagen und muss mit dem weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers vorlieb nehmen. „Ich bin damit zufrieden. Natürlich ist es schade, wenn man so lange führt und dann doch verliert. Aber Cancellara ist der beste. Ich bin zufrieden, dass ich Leute wie Armstrong und Contador hinter mir gelassen habe", sagte der deutsche Zeitfahrmeister. Ambitionen auf die Gesamtwertung stellte er zurück: „Ich werde in den nächsten Tagen Mark Cavendish bei den Sprints helfen.“

Immerhin sorgte er für eine Weltpremiere. Sein Rad war das erste, das unter den Scanner musste. Gleich neben der Doping-Kontrolle hatte die UCI ein graues Zelt installiert, in dem der mit Spannung erwartete Scanner zum Einsatz kam. Er soll herausfinden, ob die Radprofis tatsächlich Elektromotoren im Rahmen verstecken. Der italienische TV-Journalist Davide Cassani präsentierte während des Giro d'Italia ein solches Modell. Er sagte, dass die Person, von der er den Prototypen erhielt, sicher sei, dass einige Exemplare im Umlauf seien. UCI-Präsident Pat McQuaid hält eine solche Art der Manipulation nicht für wahrscheinlich. „Aber es gab Gerüchte. Wir wollen jeden Missbrauch ausschließen“, begründete McQuaid die Kontroll-Maßnahme, deren größte Wirkung in der Abschreckung liegt. Wer sich jetzt erwischen lässt, dürfte als der primitivste Betrüger in die Radsportgeschichte eingehen.

Allerdings ist das Risiko nicht besonders groß. „An manchen Tagen werden wir zwei Räder, an anderen 15 Räder kontrollieren“, kündigte der Rennkommissar Francesco Cenere gegenüber „L'Equipe“ an. Diese Räder werden unmittelbar vor dem Start mit einem roten Band versehen und müssen spätestens 30 Minuten nach Zieleinlauf zum Scannen gebracht werden. Wieviele Räder beim Prolog untersucht wurden, wollten die Rennkommissare nicht verraten. Am Rad von Martin und auch vom Giro-Sieger Ivan Basso prangte ein solches Band. Die Maschinen von Sieger Cancellara und Titelverteidiger Contador waren jungfräulich.

Klassische Dopingnachrichten fehlten zum Auftakt der Tour natürlich auch nicht. Team Cervelo suspendierte seinen Fahrer Xavier Florencio. Der Spanier hatte ohne Absprache mit dem Teamarzt eine Salbe mit der verbotenen Substanz Ephedrin benutzt. „Wir haben ihn zuerst suspendiert und dann bemerkt, dass es zu spät war, noch einen Ersatzfahrer zu melden. Wir haben möglicherweise das Team geschwächt. Aber Transparenz und Konsequenz gehören zu unserer Rennphilosophie“, erklärte Teamsprecher Geert Broekhuizen gegenüber dem Tagesspiegel.

Transparenz ist nicht die hervorstechendste Eigenschaft von Lance Armstrong. Auf neue und detailliertere Doping-Anschuldigungen seines früheren Teamkollegen Floyd Landis reagierte nur mit dem Versuch, Landis weiter zu diskreditieren. „Er hat die Glaubwürdigkeit eines Kartons saurer Milch“, sagte er. Landis berichtete dem „Wall Street Journal“ von Dopingsessions mit dem berüchtigten Arzt Michele Ferrari vor der Tour 2004. Er erwähnte Bluttransfusionen einiger US-Postal-Fahrer am ersten Ruhetag der gleichen Tour. Er behauptete sogar, dass das Team nicht benötigte Rennräder verkaufte, um den finanziellen Spielraum für das Doping zu erhöhen. Der Prolog-Vierte Armstrong, der dazu keine Stellung nahm, gehört definitiv der ganz alten Ära des Radsports an.

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