Tour de France : Zwei Sieger und viele Helfer: Positive Bilanz

André Greipel und Tony Martin glänzten mit Etappensiegen. Aber auch die übrigen zehn einheimischen Starter sorgten bei der 98. Tour de France für eine insgesamt positive Bilanz aus deutscher Sicht.

Cadel Evans hat seine Kritiker endgültig verstummen lassen. Am Sonntag war der Australier in Paris am Ziel seiner Träume.
Cadel Evans hat seine Kritiker endgültig verstummen lassen. Am Sonntag war der Australier in Paris am Ziel seiner Träume.Foto: afp

Zwei Etappensieger und viele Helfer: Die deutschen Profis können mit ihrer Tour de France 2011 zufrieden sein. Zwar stand zum ersten Mal seit 1992 kein einheimisches Team beim wichtigsten Radrennen der Welt am Start, aber die zwölf Profis in neun ausländischen Mannschaften waren erfolgreich wie lange nicht.

Nicht nur die beiden Tagessieger André Greipel bei seiner Tour-Premiere und Tony Martin sorgten für Glanz. Größter Pechvogel war Andreas Klöden, der nach mehreren Stürzen auf der 13. Etappe in aussichtsreicher Position aufgeben musste.

Der Greipel-Erfolg in Carmaux gegen einen ausnahmsweise chancenlosen Mark Cavendish wäre ohne „Anfahrer“ Marcel Sieberg sicher nicht zu realisieren gewesen. Dem mit fast 40 Jahren ältesten Tour-Teilnehmer Jens Voigt merkte man bei seiner 14. Fahrt durch Frankreich Verschleißerscheinungen nicht an. Auch Stürze bremsten den nimmermüden Routinier nicht. Er machte Dampf für die Schleck-Brüder in den Pyrenäen und Alpen und flachste angesichts der Pläne seiner Heimatstadt Berlin, wieder einen Tour-Start auszurichten: „2016 oder 2017 bin ich auf jeden Fall wieder dabei - als Sportlicher Leiter.“

Marcus Burghardt darf ein Stück vom Gelben Trikot seines Team-Kapitäns Cadel Evans beanspruchen. Beim Rückblick lobte der Australier seinen Team-Kollegen aus Zschopau ausdrücklich. Am Freitag war Burghardt auf den steilen Rampen des Galibier sogar umgekehrt, um Evans zu helfen, der nach mechanischen Problemen am Rad viel Boden verloren hatte. Grischa Niermann ist als treuer Helfer aus dem Rabobank-Team nicht wegzudenken und ist auch in der zukünftigen Tour-Planung der Niederländer eine feste Größe.

Fast hätte die dritte Tour für den als große deutsche Hoffnung gestarteten Martin in einem Debakel geendet. Aber der eindrucksvolle Zeitfahrsieg vom Samstag ließ „ihn das Gesicht wahren“, wie das Fachblatt „L'Équipe“ am Sonntag schrieb. Nachdem sich der Wahl-Schweizer von seinem ehrgeizeigen Ziel, im Gesamtklassement eine Rolle zu spielen, in den Pyrenäen schmerzhaft verabschiedet hatte, schlug seine Stunde beim Kampf gegen die Uhr.

Nach seinem Kraftakt - sieben Sekunden vor dem wie entfesselt fahrenden Evans und 1:06 Minuten vor dem entthronten Tour-Dominator Alberto Contador - legte er sich der Länge nach auf den Asphalt. Die Meute der wissbegierigen Reporter wartete artig, bis der 26-Jährige wieder etwas Luft zum Reden hatte. Überglücklich sprach er von einer „Entschädigung“ und einem „wahr gewordenen Traum“.

Aber er verhehlte auch eine kleine Enttäuschung nicht. „Sportlich, nicht für die Autogramm-Karte, wäre mir ein achter Platz im Gesamtklassement lieber gewesen“, sagte der frühere Polizeibeamte, der sich nach der Tour Gedanken über seine berufliche Zukunft und die grundsätzliche Ausrichtung zum Klassementsfahrer oder zum Etappenjäger und Zeitfahr-Spezialisten machen muss. Im August muss sein Team HTC Highroad entscheiden, wie und ob es weitergeht. Einen Plan B hat sein Manager Jörg Werner, der vor dem Zeitfahren kurz bei der Team-Leitung vorsprach, längst in der Tasche. Interessenten stehen Schlange. (dpa)

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