Tour de Ski : Kringeldrehen im Schnee

Auch im zweiten Jahr wird noch an der Tour de Ski gefeilt, bei der Königin und König der Langläufer ermittelt werden soll. Doch es gibt wieder organisatorische Probleme.

Benedikt Voigt[München]
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Favorit. Axel Teichmann ist ein heißer Anwärter auf den Gesamtsieg bei der Tour de Ski, die heute um 12 Uhr im tschechischen Nove...Foto: ddp

Ein Blick auf die Karte der Tour de Ski offenbart ihr ganzes Dilemma. Ein Pfeil zeigt vom tschechischen Wintersportort Nove Mesto nach Prag, der nächste Pfeil zeigt wieder zurück von Prag nach Nove Mesto. Zwei weitere Pfeile sind nach Italien gerichtet. Die Karte wirkt wie die Spur eines Eiskunstläufers, der erst ein paar Kringel dreht, bevor er den großen Sprung wagt. Und so ist es auch mit der Tour de Ski: Sie dreht sich im Kreis, der große Sprung aber fehlt noch.

Auch die zweite Auflage der Tour de Ski ist von organisatorischen Problemen begleitet. Bei der Premiere im vergangenen Jahr musste Nove Mesto als Startstation aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen ersatzlos gestrichen werden. Diesmal fiel im Zuge der Finanzprobleme des Deutschen Skiverbandes (DSV) Oberstdorf aus dem Programm. Stattdessen hat der Internationale Weltverband Fis erneut Nove Mesto ins Programm gehoben. Nun findet dort nicht nur der heutige Prolog (ab 12 Uhr, live in ZDF und Eurosport) statt – die Hälfte der acht Tour-Etappen wird in Nove Mesto entschieden. „Eine Tour ist das nicht mehr“, findet der deutsche Bundestrainer Jochen Behle. Der deutsche Langläufer und Mitfavorit Axel Teichmann macht dem DSV Vorwürfe: „Es macht mich traurig, weil ich glaube, dass nicht alles unternommen worden ist, um die Rennen in Deutschland zu halten.“ Und so schreibt die Rennserie der Langläufer erneut negative Schlagzeilen, bevor sie gestartet ist.

Dabei ist die Idee, eine Wettkampfserie nach dem Vorbild der Tour de France zu gestalten, ein Erfolg. Das Interesse der Fernsehanstalten ist groß, für die Athleten ist die Tour eine Herausforderung. „Wir suchen den vielseitigsten Langläufer, den König und die Königin der Langläufer“, sagt der Fis-Renndirektor Jürg Capol. Während sich im Weltcup die Langläufer immer mehr spezialisiert haben, müssen sie bei der Tour de Ski fast alle Distanzen und Disziplinen bewältigen. Am Ende dürfte wieder der steile Anstieg am Zielberg in Val di Fiemme die Tour entscheiden. „Es wird für die Sprinter schwer, das zu überstehen“, sagt Jürg Capol. Im letzten Jahr waren die Spezialisten der Kurzstrecke ohne Chancen in der Gesamtwertung, diesmal erhöhen größere Zeitgutschriften ihre Aussichten. Zu den Favoriten zählen aber weiterhin Allrounder wie Tobias Angerer, Axel Teichmann oder der Tscheche Lukas Bauer. Bei den Frauen sind die Norwegerin Marit Björgen und die finnische Vorjahressiegerin Virpi Kuitunen favorisiert.

Rennleiter Capol doktert weiterhin an der besten Wettkampfform herum. Die Orte sind weiter flexibel. „Das ist bei der Tour de France auch so“, sagt Capol. Auch die Länge der Tour de Ski ist noch nicht festgelegt. Diesmal gibt es zwei Etappen mehr als letztes Jahr. „Wir müssen danach herausfinden, wie sich die Langläufer davon erholen“, sagt Capol, „sie sollen nicht zu künstlichen Mitteln greifen müssen.“ Wie viele Dopingkontrollen durchgeführt werden, kann er nicht sagen. „Die Fis hat das ausgelagert, das ist eine externe Sache“, sagt Capol. Der Langlauf-Direktor zieht weiterhin die Parallele zur Tour de France, obwohl der Radsport durch das Doping am Boden liegt. „Man kann damit den Modus der Tour de Ski am einfachsten erklären“, sagt Capol.

Wie die Tour de Ski im nächsten Jahr aussehen wird, kann Capol noch nicht sagen. Immerhin weiß er schon, dass sie nicht in Skandinavien stattfinden wird: „Sie wird in Mitteleuropa bleiben.“ So viel Konstanz muss sein.

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