Sport : Tour de Suisse: Jan Ullrich besteht den Bergtest - Rang zwei in der Gesamtwertung

Am ersten großen Berg der Tour de Suisse hat sich Jan Ullrich in den Vordergrund gedrängt und alle Kritiker widerlegt. Bei der ersten Bergankunft erkämpfte sich der Deutsche mit einem ausgezeichneten siebenten Platz in der Tageswertung den zweiten Rang in der Gesamtwertung. Auf dem 156 km langen Tagesabschnitt von Fribourg auf den 1522 m hohen Verbier erreichte Ullrich in einer kleinen Spitzengruppe das Ziel. Tagessieger wurde Pascal Herve, der damit auch die Führung in der Gesamtwertung übernahm. Der Franzose hatte sich wenige Kilometer vor dem Ziel aus der Gruppe abgesetzt und knapp 40 Sekunden vor der Ullrich-Gruppe herausgefahren. In der Gesamtwertung hat Herve 44 Sekunden Vorsprung vor Ullrich.

Bereits gut 30 km vor dem Ziel hatte sich in Erwartung des schweren Schlussanstiegs eine 17 Fahrer zählende Gruppe aus dem Feld gelöst und schnell einen Vorsprung aufgebaut. In der Gruppe waren aus dem Telekom-Team Ullrich und der Gesamtfünfte Steffen Wesemann (Wolmirstedt) vertreten. Wesemann hatte bei den pausenlosen Attacken der Lampre- und Saeco-Fahrer, die für ihre Chefs Oscar Camenzind und Laurent Dufaux (beide Schweiz) die Vorentscheidung herbeiführen wollten, wie einige andere den Anschluss verloren. Ullrich blieb dagegen unbeeindruckt. Am Ende waren nur noch sieben Fahrer übrig, als Herve vor dem Gipfel den entscheidenden Angriff startete und die Verfolger, angeführt vom wieder erstarkten Ullrich, ihn ziehen lassen mussten. Erst wenige Meter vor dem Zielstrich ließ der 26-jährige Telekom-Kapitän seine Mitstreiter noch ein paar Meter zurück.

"Es war eine sehr schwere Bergankunft, ich habe nicht erwartet, dass es schon so gut geht", schilderte Ullrich im Ziel. "Ich bin sehr zufrieden. Was meine Kritiker sagen, ist mir egal. Wichtig ist, dass ich in Schwung komme, alles andere ist gleichgültig." Team-Sprecher Olaf Ludwig ergänzte: "Wir wussten, dass Jan in guter Form ist. Er wollte sich irgendwann einmal ernsthaft testen. Heute hat die Rennsituation das ermöglicht, und er sah sehr gut aus."

Auch der Cottbuser Stephan Gottschling aus dem Post Suisse Team hinterließ einen hervorragenden Eindruck und verteidigte mühelos seine Führung in der Wertung des besten Bergfahrers. Erst gut acht Kilometer vor dem Ziel verpasste er den Anschluss an die Spitzenfahrer, nachdem er zuvor zwei Bergwertungen für sich entschieden hatte.

Vor dem Start zur 4. Etappe in Fribourg wurden zwischen 6.20 und 8.30 Uhr bei sämtlichen 132 noch im Rennen verbliebenen Fahrern Bluttests vorgenommen. Bei allen Radprofis der 17 Sportgruppen lagen die Werte innerhalb der Toleranzgrenze von 50 Prozent fester Bestandteile im Blut, so dass alle Fahrer das Rennen fortsetzen konnten. Im Vorjahr wurden bei einem gleichen Test in Lausanne vier Fahrer von der Weiterfahrt ausgeschlossen.

Am Donnerstag fällt die Entscheidung, ob der neue Epo-Test bei der am 1. Juli beginnenden Tour de France angewendet wird. Das teilte der Internationale Radsport-Verband UCI mit. Das französische Doping-Labor Chatenay-Malabry hat eine revolutionäre Methode entwickelt, erstmals über Urin-Kontrollen körpereigenes von synthetisch hergestelltem Erythropoietin (Epo) zu unterscheiden. Damit war ein Durchbruch im Aufspüren des bei Ausdauersportlern gebräuchlichen Blut-Doping-Mittels Epo gelungen.

Vor der praktischen Anwendung der neuen Methode bei der Tour hatte die UCI drei Bedingungen gestellt, wovon eine durch die Veröffentlichung im britischen Wissenschafts-Magazin "Nature" bereits erfüllt ist. Zurzeit untersuchen die Pariser Wissenschaftler 220 Urinproben, um ihre Methode zu verifizieren. Danach sollen die drei durch das IOC benannten Wissenschaftler Peter Hemmersbach (Norwegen), Jordi Segura (Spanien) und Bo Berglund (Schweden) ihre Einschätzung bis zum 22. Juni darlegen.

Heute steht bereits die nächste Prüfung der Wahrheit für den Zeitfahr-Weltmeister Jan Ullrich auf dem Programm. In Siders wird ein 30-km-Einzelzeitfahren absolviert.

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