Tour de Suisse : Ullrich mit zweitem Gesamtsieg

Mit dem Gelben Trikot auf den Schultern hat sich Jan Ullrich bei der Tour de Suisse auf Frankreich eingestimmt. Der T-Mobile-Kapitän beendete seine Generalprobe für die Tour de France heute mit seinem zweiten Gesamtsieg in der Schweiz.

Berlin/Bern - Zwei Jahre nach seinem ersten Erfolg gab wie 2004 das abschließende Zeitfahren den Ausschlag zu Gunsten Ullrichs. Der 32-Jährige, der so holprig in die Saison gestartet war, signalisierte deutliche Formsteigerung und verwies Koldo Gil (Spanien) in der Endabrechnung mit 24 Sekunden auf den zweiten Rang. Jörg Jaksche aus Ansbach wurde Dritter mit 1:03 Minuten Rückstand.

Ullrich holte sich nach seinem Sieg im Zeitfahren beim Giro d'Italia vor vier Wochen seinen zweiten Saisonerfolg und gewann am Sonntag in Bern den 30,7 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr im Ziel in der Gerechtigkeitsgasse mit 23 Sekunden Vorsprung vor seinem früheren Team-Kollegen Cadel Evans (Australien). Gil verlor 1:14 Minuten - das reichte für Ullrich, dem ein Wolkenbruch die Aufholjagd im Finale schwer und risikoreich machte. Vor dem Start hatte Ullrich auf Platz drei 50 Sekunden hinter Gil gelegen, dessen Landsmann Alberto Contador am Samstag die letzte Alpenetappe in Ambri als Solist gewonnen hatte.

"Es war ganz schön gefährlich"

«Ich freue mich riesig über diesen Erfolg. Wir müssen aber auch alle froh sein, dass wir bei diesen Witterungsbedingungen heil ins Ziel gekommen sind. Auf den besonders Wind anfälligen Zeitfahrmaschinen war es schon ganz schön gefährlich. Diese Tour de Suisse war mit ihren insgesamt 22 000 Höhenmetern sehr schwer - ich bin sehr glücklich, es geschafft zu haben. Ich werde in den verbleibenden Tagen bis zum Tourstart weiter fleißig arbeiten», versprach der strahlende Sieger nach dem Rennen. Als einziger deutscher Radprofi vor ihm hatte nur Hennes Junkermann die Tour de Suisse 1959 und 1962 zwei Mal gewonnen.

2004 hatte Ullrich im letzten Zeitfahren dem einheimischen Fabian Jeker 42 Sekunden abgenommen und die Rundfahrt mit einer Sekunde Vorsprung vor dem Schweizer gewonnen. Rang drei belegte am Sonntag Jörg Jaksche aus dem Skandalteam von Manolo Saiz. Der Radprofi aus Franken und sein Kapitän Alexander Winokurow wissen wegen der laufenden Ermittlungen in der spanischen Doping-Affäre noch nicht, ob sie in der neuen Formation «Astana-Würth» zur Tour de France zugelassen werden.

Jan Ullrich hat seinen nicht störungsfreien Form-Aufbau für die Tour mit einem unerwarteten Erfolg, der als deutliche Warnung an die Konkurrenz verstanden werden kann, fast abgeschlossen. «Ein kleines bisschen fehlt noch. Aber er hat ja in der ersten Tour-Woche auch noch Gelegenheit, sich weiter zu steigern», sagte T-Mobile-Teamchef Rudy Pevenage, der mit dieser positiven Entwicklung im April bei Ullrichs verspätetem Wettkampf-Einstieg wegen einer Knie-Reizung «nicht unbedingt» gerechnet hatte. «Ab Montag bis zur Abreise zur Tour nach Straßburg am 28. Juni trainiert er an seinem Wohnort in der Schweiz», sagte Pevenage am Sonntag.

In Sachsen nicht dabei

Auf einen Start bei den deutschen Meisterschaften am 25. Juni in Klingenthal in Sachsen wird der T-Mobile-Kapitän wohl verzichten. «Die Anreise wäre sehr lang», sagte er am Sonntag und deutete damit den Verzicht an. Auch im Vorjahr hatte Ullrich den Titelkämpfen in Mannheim den Rücken gekehrt.

Anfang der kommenden Woche will T-Mobile seinen neunköpfigen Tourkader bekannt geben. Nach seinem Etappensieg und seiner Führung bei der Asturien-Rundfahrt kann sich auch wieder Oscar Sevilla Hoffnungen machen. Dass es eine «politische» Entscheidung gegen den Spanier geben könnte, dessen Name in der spanischen Doping-Affäre genannt wurde, ist laut T-Mobile-Teamsprecher Luuc Eisenga nicht wahrscheinlich: «Es fahren die besten Neun. Sevilla hat uns wie alle anderen schriftlich erklärt, dass er mit dem umstritten Arzt Fuentes nichts zu tun hat.»

Der bei der Tour de Suisse sehr stark auftrumpfende T-Mobile- Neuling Linus Gerdemann (Münster/5.) hat dagegen kaum Chancen auf eine Tour-Nominierung. «Erstens war er von vornherein nicht für Frankreich vorgesehen, zweitens war die Tour de Suisse sein vorläufiger Saisonhöhepunkt, außerdem wollen wir ihn vorsichtig aufbauen», sagte Eisenga. (tso/dpa)

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