Sport : Trab aus Tradition

Das 102. Mariendorfer Buddenbrock-Rennen startet

Heiko Lingk

Berlin - Wenn Peter Kwiet über das Buddenbrock-Rennen spricht, dann glänzen seine Augen. Heute wird das Rennen auf der Mariendorfer Trabrennbahn gestartet (Veranstaltungsbeginn 12.45 Uhr), bereits zum 102. Mal. Kwiet hat fast die Hälfte aller Buddenbrock-Rennen miterlebt. „Früher war alles noch ganz anders“, sagt der 65-Jährige. Zwölf Mal war er Berliner Traber-Champion und gehört trotz seines Alters auch heute noch zu den absoluten Spitzenprofis im deutschen Trabrennsport. 4252 Rennen hat Kwiet, der außerdem Vizepräsident der Mariendorfer Bahn ist, in seiner fast 50-jährigen Sportlerlaufbahn bisher gewonnen. Der Sieg mit dem Hengst Meru im Buddenbrock-Rennen 1980 sowie der Derbysieg mit dem Stallgefährten Manzanares im Derby 1968 gehören zu seinen schönsten Erinnerungen. „Damals waren die Pferde kaum im Trab zu halten, und die Trainer mussten monatelang am Hufbeschlag tüfteln, bevor sie ihre Pferde um die Bahn bekamen“, sagt Peter Kwiet, „heute jedoch laufen die Pferde wie von selbst!“

Hinter diesen Worten verbirgt sich eine rasante Entwicklung der deutschen Pferdezucht: Noch bis in die Achtzigerjahre hinein hatten die großen Gestüte ausschließlich auf ihre eigenen Zuchthengste gesetzt und damit weltweit den Anschluss verpasst. Erst mit der Anhebung der Rennpreise in den Prüfungen für junge Traber wurde dies anders. Die Frühreife der Pferde wurde über Nacht zum bedeutendsten Faktor – die Eigenbrötlerei der Stallbesitzer wich einer international ausgerichteten Sichtweise. Nun wurden die besten US-amerikanischen Hengste für die eigene Zucht bevorzugt, französische und skandinavische Pferde kamen dazu. Das Niveau stieg enorm. Die beiden jüngsten Sieger im Buddenbrock-Rennen sind dafür der beste Beweis: Nelson November (2003) stammt vom französischen Prix-d’Amerique-Sieger Cocktail Jet ab. Der Stammbaum seines Nachfolgers Orso November (2004) führt auf den erfolgreichen amerikanischen Hengst Valley Victory zurück.

Um 30 000 Euro Preisgeld geht es heute in Mariendorf. Der Klassiker wird seiner Einstufung als Zuchtprüfung gerecht. Das Pferd, das nach 1900 Metern vor den anderen den Zielpfosten passiert, ist – das hat die Erfahrung aus den jüngsten Jahren gezeigt – der große Favorit für das Derby am 7. August. Da die Qualität der zehn antretenden Traber laut Meinung der Experten auf einem ähnlichen Level ist, könnten die Fahrer im Sulky heute der entscheidende Faktor sein. So zum Beispiel der erfahrene Heinz Wewering, der in der Vorwoche mit dem dritten Platz von den Weltmeisterschaften zurückkehrte und bisher 15 667 Rennen gewann. Er steuert die Stute Primavera. Oder der Niederländer Arnold Mollema, der mit dem Hengst Unforgettable bereits das Adbell-Toddington-Rennen in Mariendorf gewann und damit als Einziger die Möglichkeit hat, den Triumph in allen Jahrgangsprüfungen zu gewinnen.

Die Statistik steht auf Seiten des Niederländers Arnold Mollema, denn Hengste sind in der Siegerliste des Buddenbrocks viel häufiger zu finden als Stuten. Doch dagegen sprechen die Erfolge des Fahrers Heinz Wewering: Der Sulky-Profi aus Castrop-Rauxel gewann diesen Klassiker schon sieben Mal. Wewering sagt: „Primavera ist fein in Form – vielleicht können wir den Bock umstoßen.“

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