Sport : Trabrennbahn Hoppegarten: Endlich losgelassen

Ernst Podeswa

Uwe Stech darf für alle reden. "Die Trainer hier sind froh, dass endlich Galopprennen in Hoppegarten veranstaltet werden." Uwe Stech ist in Hoppegarten Trainersprecher und zuständig für weitere elf hauptberufliche Kollegen und drei Trainer, die zugleich Pferdebesitzer sind. Und das Wörtchen "endlich" ist aus seiner Sicht durchaus verständlich. Denn Saisonbeginn sollte auf der Rennbahn am Ostrand Berlins ursprünglich bereits am 1. April sein. Weil der Veranstalter Union-Klub aber nicht genügend Sponsorengelder auftreiben konnte, werden in diesem Jahr nun am Sonntag (erster Start 13.55 Uhr) erstmals die Startboxen aufklappen. Im Mittelpunkt stehen der Frühjahrszuchtpreis der Dreijährigen und ein WM-Lauf der Amateurreiterinnen.

Die insgesamt 15 Hoppegartener Trainer haben sich in den Wochen seit dem 1. April aber keineswegs nur mit dem täglichen Training begnügt. Sie sind zu Rennen nach Dresden, Halle, Leipzig oder Magdeburg gereist und sogar nach Hannover oder Bremen ausgewichen. Doch weil auch anderswo Renntage, in Leipzig zum Beispiel wegen Hochwassers, ausfielen, habe es einen Andrang auf die restlichen Bahnen in den neuen Ländern gegeben. So wurden die zu viel gemeldeten Pferde per Losverfahren gestrichen. "Das war ärgerlich, das war Stress, das hat durch die Transporte zusätzliche Kosten verursacht. Und der Formaufbau ist regelrecht gebremst worden." Da sind sich die Trainer Werner Bauermeister und Uwe Stech einig. "Unsere Besitzer kommen zumeist aus Berlin und dem Umland. Die wollen nicht am Wochenende noch 400 km weit fahren, um ihre Pferde bei Rennen erleben zu können", sagt Uwe Stech.

Verschärft habe sich die Situation dadurch, dass der Hoppegartener Rennbetreiber Union-Klub die Trainer offiziell nicht über den Ausfall der Aprilrennen informiert hat. Auf dem Höhepunkt der Turbulenzen, in die auch der Galoppsport-Dachverband in Köln und die Treuhandnachfolgerin als Eigentümer des Hoppegartener Areals involviert waren, forderte Stech den Union-Vorstand zum Rücktritt auf. Das dürfte zumindest teilweise am 16. Juni bei der Mitgliederversammlung des Klubs passieren, bei der sich Präsident Karl-Heinz Oehler nicht zur Wiederwahl stellen will. Auf der gestrigen Pressekonferenz sagte Oehler, dass man alles tun werde, um keine weiteren Renntage 2001 in Hoppegarten streichen zu müssen. Um die hochkarätigen Europagruppe-Renntage am 28. Juli und 19. August werde man "mit aller Kraft kämpfen".

"Ich denke, Wild Paul hat im WM-Rennen gute Chancen", sagt Stech über das von ihm betreute Pferd. Immerhin werde Wild Paul von der Amateur-Championesse Elke Schütz an den Zügeln geführt, der Frau des Trainerchampions Andreas Schütz. Zudem gehe Wild Paul im Training "momentan sehr gut". Allerdings bestreite er sein Saisondebüt, und da wisse man nie so genau, "wo das Pferd mit seiner Form wirklich steht". Fragezeichen ähnlicher Art sieht der Trainer auch hinter den sonntäglichen Auftritten von drei weiteren Schützlingen. Lear und Easy quick dürfen erstmals in der Saison zeigen, was sie unter der Regie von Stech im Training geleistet haben. Der dreijährige Rustico gebe gar sein "Lebensdebüt als Rennpferd".

Über die Chancen seines Trios kann er weitgehend nur rätseln. Damit ergeht es Stech nicht anders als dem Hoppegartener Trainersenior Werner Bauermeister, der die 70 bereits überschritten hat, aber immer noch die Trainings- und Rennwege von 31 Vierbeinern dirigiert. "Ich habe am Sonntag hier zwei Starter dabei", sagt Bauermeister. Das seien zwei dreijährige, bisher sieglose Pferde, deren Qualität er derzeit nur schwer einschätzen könne. "Es fehlen einfach die drei ausgefallenen Renntage in Hoppegarten. Wären die Pferde da bereits gelaufen, könnte man ihre Klasse besser beurteilen, und ihr Formaufbau wäre bestimmt weiter."

Das Geschehen am Sonntag bietet übrigens nicht nur den Trainern in neun Rennen Rechnungen mit zahlreichen Unbekannten. Das gilt noch mehr für Besitzer und für Wettfreunde. Doch gerade die Zocker wissen auch: Je schwerer die Form der Starter zu taxieren ist, desto höher sind die zu erwartenden Gewinnquoten. Trainer Stech interessiert das weniger. Er sagt: "Wir hoffen auf schönes Wetter und einen erfolgreichen Renntag. Und darauf, dass die Saison besser weitergeht, als sie begonnen hat."

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