Trabrennbahn Mariendorf : Ein launischer Champion beim Deutschen Derby

Zar As zertrümmert einen Sulky – und gewinnt mit Roland Hülskath das Derby. Pech hat hingegen der Berliner Benjamin Hagen, der sich für das Derby qualifiziert hatte.

Katja Reimann

Berlin Ein paar Meter ist er noch vom Ziel entfernt, da dreht Roland Hülskath den Kopf nach links, blickt neben sich. Im schnellen Trab schieben sich zwei braune Hengste an seinen Sulky heran, Stück für Stück, verkürzen seinen Vorsprung. Und Hülskath? Blickt wieder nach vorn, bleibt ruhig – und gewinnt das 114. Deutsche Derby auf der Trabrennbahn Mariendorf mit sicherem Vorsprung. Später, bei der Siegerehrung, wird Hülskath sagen, dass er schon vor dem Einbiegen auf die Zielgerade gewusst hat, dass ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen sein wird. Weil einfach alles funktionierte, wie es sollte. Und weil Zar As, der braune Dreijährige vor seinem Sulky, lief wie er besser nicht laufen konnte.

Schon einen der insgesamt vier Vorläufe gewann das Paar am Sonntag souverän, qualifizierte sich ohne Mühe für das Derbyfinale am Nachmittag. Die zehn besten dreijährigen Traber rannten dabei in der heißen Sonne um den Sieg. Eine Minute und 14 Sekunden benötigte Zar As über die 1900 Meter lange Strecke im Vorlauf. Das mit knapp 310 000 Euro dotierte Finale entschied er über dieselbe Distanz in der nahezu gleichen Zeit für sich. Schon nach knapp 500 Metern steuerte Hülskath an die Spitze des Feldes – und ließ sich die Führung nicht mehr nehmen. Auch nicht von Karaburan mit Helmut Biendl und Marc Burgerheide, gefahren von Ruud Pools, die ihm so kurz vor dem Ziel noch nahe kamen.

Zwar wurde Zar As schon im Vorfeld als Favorit für den Derbysieg gehandelt, doch trauten selbst einige Experten dem Hengst nicht zu hundert Prozent. „Er ist nicht der einfachste“, sagte auch der sichtlich gerührte Roland Hülskath. Noch am Vormittag hatte Zar As auf dem Weg zur Rennbahn ein Sulky kaputt getreten, so dass er bei seinem zweiten Einsatz mit einem Ersatzwagen lief. Hülskath jedoch glaubt – bei allen Allüren – an das große Potenzial des Pferdes. „Man wird international auf Dauer viel von ihm hören“, prophezeite er.

Glück für diejenigen, die dem launischen Pferd vertraut und eine Wette platziert hatten. Wie eine Gruppe junger Männer, die jubelnd von den Tischen und Bänken sprangen, auf denen sie das Rennen stehend verfolgt hatten. Rund 9000 Besucher zählte der Berliner Trabrenn-Verein am Derbytag auf der Anlage. Auf 2,2 Millionen Wettumsatz hatte Geschäftsführer Uwe Krop noch zu Beginn der Derbywoche spekuliert, und tatsächlich lag der gesamte Wettumsatz der Woche bei 2,19 Millionen. Etwa 765 000 Euro wurden allein am Sonntag umgesetzt, rund zehn Prozent mehr als beim Derby 2008.

Die vielen Zuschauer jedenfalls verfolgten die 14 Rennen des Tages ebenso gespannt wie Boxweltmeister Arthur Abraham, der zum ersten Mal in Mariendorf war. Er sei fasziniert von der Konzentration der Tiere auf der Rennstrecke, sagte Abraham, stellte sich mutig neben einen der schnellen Traber und kündigte zuversichtlich an, sich demnächst selbst mal in einen Sulky setzen zu wollen.

Pech hatte hingegen der Berliner Benjamin Hagen, der sich für das Derby qualifiziert hatte. Der Hengst Heros, mit dem Hagen starten sollte, bekam am Samstagabend so hohes Fieber, dass sich Besitzer und Fahrer entschieden, ihn zu schonen. Er sei enttäuscht, sagte Hagen. „So eine Chance bekommt man nicht oft.“ Allerdings sei das Wohl des Pferdes natürlich wichtiger als ein Derbystart.

Dass ein Sieg im wichtigsten Rennen der Traber dennoch das Größte im Leben eines Fahrers ist, bewies am Sonntag abermals Roland Hülskath: Der Europameister von 2008 wischte sich im Siegerzirkel eine Träne von der Wange.

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