Sport : Trabrennbahn Mariendorf: Umzug mit Sulky

Ingo Wolff

Noch strahlen die Trainingsställe auf der Trabrennbahn Mariendorf eine ländliche Gemütlichkeit aus. Wenn die Traber mit ihren Sulkys aus den Stalltoren auf den Mittelweg zwischen den Gebäuden zuckeln, fühlt man sich in eine vergangenden Zeit versetzt. Doch schon in wenigen Tagen werden die Ställe ihrer Aufgabe entbunden. Dann werden die Bagger anrollen, und ein Investor wird Einfamilienhäuser, ein kleines Hotel mit Fitnesszentrum und ein Gebäude für Einzelhandel errichten. Das Tierparadies inmitten des Großstadtlärms Berlins wird von der Bildfläche verschwinden.

Doch die Trauer hält sich beim Berliner Trabrennverein in Grenzen. Hermann Gerbaulet freut sich sogar, dass der Verkauf des Geländes trotz veränderter politischer Voraussetzungen doch noch Zustimmung gefunden hat. Für den Rennverein ist der Verkauf elementar wichtig, kann durch den Erlös doch die dringend notwendige Entschuldung vorgenommen werden. Der Vorstandsvorsitzende des Vereins hat in den vergangenen Wochen deshalb mächtig gebangt. Jetzt kann er wieder genussvoll in die Zukunft blicken und sich sieben Tage vor Beginn der Derby-Woche wieder auf das konzentrieren, was er am liebsten macht: den Trabrennsport öffentlich anpreisen.

Gerbaulet hatte durchaus Bedenken, dass das ehrgeizige Projekt an den geänderten Machtverhältnissen in der Stadt scheitern könnte. Gerade die Fraktion der Grünen hat sowohl im Bezirk Tempelhof-Schöneberg als auch im Abgeordnetenhaus von Berlin große Vorbehalte gegen das Bauprojekt gehabt. Sie hat es mit einem Nein in beiden Abstimmungen deutlich zum Ausdruck gebracht. Doch zumindest für diese Entscheidung konnte sich die alte große Koalition durchsetzten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit signalisierte schon vorher seine Unterstützung für die Traber. Der Tempelhofer wird sich sogar bei einem Prominentenrennen während der Derby-Woche in den Sulky setzen.

Nach der Zustimmung der Bezirksverordnetenversammlung über den Bebauungsplan steht dem Verkauf nun nichts mehr im Weg. Gerbaulet bezeichnet ihn als "finalen Rettungsschuss". "Der Verkauf bringt den Trabrennsport auf eine gesunde Grundlage", sagt Gerbaulet. Er ist sich allerdings bewusst, dass der Verein damit sein Tafelsilber veräußert hat. Zwölf Millionen Mark bringt der Verkauf. Insgesamt sechs Millionen nutzt der Rennverein zur Tilgung seiner Schulden, der Rest deckt den Etat des Rennjahres. Die erste Rate ist schon am übernächsten Mittwoch fällig.

Doch dann ist das Geld erneut verbraucht. Deshalb hat sich der Trabrennverein zu einem Strukturwandel entschieden. Schon zu Beginn des Jahres wurde mit der Umsiedlung des Trainingsbetriebes nach Karlshorst begonnen. In Mariendorf werden dann nur noch Renntage ausgeschrieben - mit 60 Veranstaltungen aber rund ein Drittel weniger als vorher, dafür aber rentabler. Deshalb auch der Verkauf der Ställe, denn für einen reinen Rennbetrieb werden nur 250 Boxen benötigt statt derzeit rund 900.

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