Sport : Tradition verpflichtet

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Drei Titel in drei Jahren holte Louis van Gaal mit dem FC Barcelona – und doch hassten ihn die Fans. Als der Trainer den Klub im Sommer 2000 zum ersten Mal verließ, jubelten die Anhänger, als hätte man die Meisterschaft gewonnen. Die Menschen in Barcelona konnten dem knurrigen Niederländer nie verzeihen, dass er die stolze Tradition ihres Vereins ignorierte und zuweilen acht seiner Landsleute statt verdiente Katalanen wie Sergi oder Ferrer aufs Feld schickte. Tradition sei etwas für Romantiker, fand van Gaal – und scheiterte.

Drei Titel kann Felix Magath mit dem FC Schalke 04 nicht mehr holen. Am Saisonende ist vermutlich Schluss für den Trainer, der dazu noch Manager und Vorstandsmitglied der Gelsenkirchener ist. Die Parallelen zu van Gaals Scheitern in Barcelona sind dabei unübersehbar. Auch Magath machte früh klar, dass er zwar Historisches leisten wolle, auf Historie aber keinen Wert legt. Ein folgenschwerer Fehler. Neben dem ausbleibenden sportlichen Erfolg war es vor allem Magaths fehlendes Gespür für die speziellen Befindlichkeiten beim Gelsenkirchener Traditionsverein, welches wohl seine Entlassung zum Saisonende zur Folge hat. Fußballvereine sind eben nicht wie Wirtschaftsunternehmen zu führen – erst Recht nicht wenn sie auf so eine bewegte Geschichte wie der FC Schalke zurückblicken. Tradition verpflichtet auch zum Dialog mit den Fans, etwas, das Magath noch nie mochte. Lieber tauschte er Spieler und Angestellte aus und bemerkte zu spät, dass viele Fans um die Seele ihres Vereins fürchteten. Aus Wolfsburg war es Magath nicht gewohnt, sich mit der Vergangenheit eines Klubs auseinandersetzen zu müssen – weil es so etwas beim VfL nicht gab.

Auch wenn Felix Magath Schalkes Historie oft ignorierte, zumindest eine klubeigene Tradition hat er doch fortgeführt: Er wurde mit Schalke Vizemeister.

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