Sport : Tradition verpflichtet

Jorge Valdano und seine Gedanken zum Fußball

Sven Goldmann

Jorge Valdano verdankt seine Popularität der Fähigkeit zum geschliffenen Ausdruck auch außerhalb des Fußballplatzes. Als Kolumnist ist der Argentinier in Madrid erfolgreicher, als er es zuletzt als Sportdirektor bei Real war. Valdano steht für die Entwicklung des Klubs weg vom reinen Fußball- und hin zum Unterhaltungsunternehmen. Vor dieser Zeit sind die im Buch zusammengestellten Artikel entstanden, und sie wirken angesichts Valdanos späterer Tätigkeit oft unfreiwillig komisch. Das Bekenntnis zur Enthaltsamkeit, zum einfachen Spiel der Vergangenheit, kauft man nur schwer einem Mann ab, der verantwortlich ist für das Abziehbild der „Galacticos“, der Beckham und Ronaldo, Figo und Zidane zusammengekauft hat. Dazu bleibt die deutsche Übersetzung oft hinter dem Zauber des Originals zurück, so dass Valdanos Weisheiten zuweilen ein wenig platt wirken.

Früher waren die Fußballspieler edel hilfreich und gut, ein Elfmetertor trauten sie sich gar nicht zu bejubeln, und für Fehlpässe haben sie sich alle geschämt. Auch Valdano sieht in Cruyff, Maradona oder Pelé die besten Fußballer aller Zeiten, auch er hat erkannt, dass die Straße und das Elend dem Spiel seine größten Entwicklungssprünge ermöglicht haben. Am stärksten ist der Weltmeister von 1986, wenn er über das Grundsätzliche nachdenkt und dabei Literaten wie Borges und Marquez in seine Beweisführung einbezieht. Hier merkt man, dass da einer schreibt, der mehr zu sagen hat, als es bei früheren Fußballspielern oft der Fall ist.

— Jorge Valdano: Über Fußball. Bombus-Verlag, 265 Seiten, 16,90 Euro.

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