Sport : Tränen in der Tiefgarage

US-Basketballer scheitern an Jugoslawien

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Von Matthias Krause

Indianapolis. Als George Karl den Mannschaftsbus mit den dunklen Rauchglasscheiben in der Tiefgarage des Conseco Fieldhouse erreicht hatte, konnte er seinen Gefühlen endlich freien Lauf lassen. Das Gesicht hinter dem Team-Guide versteckt, rollten dem US-Nationaltrainer Tränen der Enttäuschung über die Wangen. Seine Begleiterin und der Busfahrer saßen hilflos daneben. Die Spieler kämpften sich unterdessen noch durch den Tross der Journalisten und mussten erklären, was vor kurzem als unfassbar gegolten hatte: warum die US-Basketballer aus dem Rennen um die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft in Indianapolis ausgeschieden sind.

81:78 gewann Titelverteidiger Jugoslawien das Viertelfinale gegen die amerikanischen Gastgeber, denen damit im besten Fall noch Platz fünf bleibt. Die Mannschaft von Trainer Svetislav Pesic trifft dagegen heute im Halbfinale auf Neuseeland.

Schon auf dem Podium bei der Pressekonferenz war es Karl sichtlich schwer gefallen, die Fassung zu bewahren. Der Trainer der Milwaukee Bucks hatte schon tags zuvor erklären müssen, warum die zwar nicht mit Superstars, aber doch durchaus mit respektablen NBA-Profis bestückte US-Mannschaft gegen Argentinien verloren hatte. Das war seit dem ersten Auftritt des Dream Teams bei Olympia in Barcelona keiner US-Profiauswahl mehr passiert. 58 Spiele lang währte diese Serie, die eigentlich für die Ewigkeit gedacht war. Das Aus im Viertelfinale dagegen wird als schlechteste Platzierung überhaupt bei einer Weltmeisterschaft in die Annalen des US-Basketballs eingehen. Und das ausgerechnet zu Hause.

Karl brachte seine Worte nur mit Mühe hervor: „Es war wie die NBA-Play-offs mitten im Sommer. Wir haben hart gespielt, aber in der entscheidenden Phase unsere Würfe nicht getroffen. Ich bin extrem enttäuscht." Wovon genau Karl so enttäuscht war, wurde nicht ganz klar, denn er fügte an: „Wir können stolz vom Platz gehen.“ Und natürlich kam die Frage, ob denn nun das nächste Mal wieder die Besten des US-amerikanischen Basketballs auflaufen werden. Karls Antwort war verräterisch: „Ich bin nur ein Trainer, das hängt vor allem von den Hierarchien in der NBA ab.“

Dort war entschieden worden, Stars wie Shaquille O’Neal, Kobe Bryant, Allen Iverson und die anderen nicht mit Macht dazu zu drängen, in Indianapolis aufzulaufen. Wahrscheinlich hatte man gedacht, den Rest der Welt auch mit einer Auswahl in Schach halten zu können, die aus namhaften Spielern der zweiten Reihe besteht. Doch mit der Intensität, mit den taktischen Finessen und der Kollektivkraft der gut eingespielten Gäste waren die kurzfristig zusammengerufenen NBA-Profis schlicht überfordert.

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