Sport : Tränen statt Blumen

Kölns Fans feiern Lukas Podolski enthusiastisch – die Klubführung aber pokert um seinen Wechsel

Erik Eggers[Köln]

Das Ende zog sich. Mehr als 45 Minuten nach dem Schlusspfiff stand Lukas Podolski immer noch am Zaun zur Südtribüne und schrieb für die Fans des 1. FC Köln Autogramme. Und viele Anhänger des Fußball-Bundesligisten, der in die Zweite Liga muss, feierten ihn immer noch lautstark. Der 1. FC Köln, das Team, hatte im eigenen Stadion 4:2 (1:0) gegen Arminia Bielefeld gewonnen, aber jetzt gab nur einen Star: Podolski. Der 20-Jährige Stürmer hatte nicht bloß zwei Mal getroffen, er hatte wohl auch zum letzten Mal für den Klub gespielt. Einige Fans weinten sogar während des Spiels. Podolski hatte immerhin zwölf Saisontore erzielt, jetzt wird er voraussichtlich zum FC Bayern München wechseln.

Und in seiner mutmaßlichen Abschiedsvorstellung hatte Podolski erneut sein großes Potenzial aufblitzen lassen. Das Spiel war fast bis zur Pause furchtbar, aber dann sorgte Podolski für ein Highlight. Eine Rechtsflanke nahm der Nationalstürmer am Strafraum auf und schoss den Ball mit seinem rechten Fuß, der eigentlich als sein schwacher gilt, flach ins linke Eck. Noch beeindruckender war sein Tor zum 3:2 (84.). Aus dem Stand zog er aus 16 Metern ab und traf in den linken Winkel – ein großartiges Tor.

Doch nach dem Spiel ging es nicht mehr bloß um Emotionen, sondern auch um hartes Geschäftsgebaren. Denn Podolskis Abschied aus Köln steht ja keineswegs fest, so jedenfalls lautet die Botschaft der FC-Verantwortlichen. „Nach einem solchen Spiel wollen wir doch Podolski nicht gehen lassen“, sagte Trainer Hanspeter Latour zum Beispiel. Die zuhörenden Journalisten lachten. Aber Latour begründete mit ernster Miene auch noch, weshalb Podolski vor dem Spiel keine Abschiedsblumen erhalten hatte. „Es ist doch noch alles völlig offen, das hätte eine Täuschung des Publikum sein können.“ Und als FC-Manager Michael Meier die Abschiedsszenen der Fans für Podolski kommentieren sollte, sagte er allen Ernstes: „Das ist Ihre Wahrnehmung.“

Die Kommentare gehören natürlich zum Geschäft. Podolski hat noch einen Vertrag in Köln, und Meier will die Ablösesumme nach oben treiben. Bisher ist von sieben oder acht Millionen Euro die Rede. 2007 könnte Podolski für eine festgeschriebene Ablösesumme (eine Million Euro) wechseln. Aber natürlich will Podolski kein Jahr in der Zweiten Liga verbringen. Doch solange sich Köln und Bayern nicht einig sind, wird Meier weiter öffentlich behaupten: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass es zu keiner Einigung kommt.“ Podolski nimmt den Poker, trotz der bevorstehenden WM, noch gelassen: „Ich habe alles gesagt. Jetzt liegt es an den Vereinen.“

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