Sport : Träume aus braunem Matsch

Benedikt Voigt

Der italienische Schnee verhält sich seltsam. Tritt der Olympia-Berichterstatter drauf, gibt es ein schmatzendes Geräusch. Sein Fuß sinkt nicht tief ein, höchstens ein oder zwei Zentimeter. Löst sich der Schuh vom Untergrund, bleiben einige Reste kleben. Das Seltsamste am italienischen Schnee aber ist seine Farbe: Er ist braun.

Bei den Olympischen Spielen von Turin tritt Schnee vor allem in Form von Schlamm und Matsch auf. Zwar lässt er sich zuweilen auch in seiner klassischen weißen Ausprägung finden, doch wird der dringend an den Wettkampfstätten benötigt. In Turin, jenem Ort nach dem diese Winterspiele benannt sind, gibt es überhaupt keinen Schnee! In den Bergen um Sestriere ist er immerhin in großen Höhen zu finden. Viele Pisten aber müssen mit künstlichem Schnee beschneit werden. Die einzige Konstante dieser Spiele ist ein brauner, matschiger Untergrund.

Besonders fällt das an der Bob- und Rodelbahn in Cesana Pariol ins Auge, wo einige olympische Bauten nicht mehr rechtzeitig fertig geworden sind. Nun mischt sich Bauschlamm mit natürlichem Matsch. Die Organisatoren bekämpfen das unerfreuliche Phänomen mit schwarzen Gummimatten. Sie liegen überall und sollen Fußgängern als Furt durch unwegsames Gelände dienen.

Trotzdem lässt es sich nie vermeiden, dass die Schuhe der olympischen Touristen am Ende des Tages mit gelb-braunen Bodensegmenten besprenkelt sind. Von italienischen Leder-Fabrikaten an den Füßen ist aus diesem Grund für die Winterspiele 2006 dringend abzuraten. Vielmehr sollte man sich den Fernsehmoderator Harald Schmidt zum Vorbild nehmen. Er trug in seiner ersten Sendung am Sonntagabend braune Trekkingschuhe zu einem braunen Anzug. Der Letzte, der diese Kombination im Fernsehen gewählt habe, sei CNN-Moderator Paul Bremer gewesen, witzelte Schmidt. Im Irak.

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