Sport : Träume aus Schnee und Eis

Friedhard Teuffel

zweifelt an einer Münchner Olympiabewerbung Um Olympische Spiele muss man sich nur oft genug bewerben, dann bekommt man sie auch. Das scheint die wichtigste Regel zu sein, um die größte Veranstaltung der Welt ins Land zu holen. Insofern spricht der neueste Plan für den Kampfgeist des deutschen Sports. Die gescheiterte Leipziger Bewerbung um die Sommerspiele 2012 gerät gerade erst in Vergessenheit, jetzt soll München die Winterspiele 2014 gewinnen. Doch spricht aus diesem Plan auch der Verstand?

Die deutschen Wintersportverbände erwecken den Eindruck, als würden sie die Winterspiele in München so sehnsüchtig erwarten wie den Halleyschen Kometen. Aber vielleicht ist es nur eine verspätete Silvesterrakete, die gerade aufgestiegen ist. Denn München ist als Standort für Winterspiele nicht der ideale Kandidat. München wird sicher nicht aus dem gleichen Grund abgewiesen werden wie Leipzig: Schließlich verfügt die bayerische Landeshauptstadt über ausreichend Hotelbetten und eine gute Infrastruktur. Auch müssten die Sportstätten allenfalls modernisiert und nicht neu gebaut werden. Nur wären es 2014 eher regionale Alpenspiele. Die Entfernung von 120 Kilometern zwischen der Abfahrtsstrecke in Garmisch und der Eisschnelllaufbahn in Inzell etwa ist kein gutes Argument für eine Münchner Bewerbung.

Ob München überhaupt eine Chance hat, wird sich im nächsten Jahr bei den Winterspielen in Turin herausstellen. Auch dort sind die Wege weit. Wenn Sportler, Zuschauer, Funktionäre und Journalisten sich laut beklagen, sollte es München erst gar nicht versuchen. Der Ehrgeiz in München mag groß sein, gegen Salzburg anzutreten, den voraussichtlichen Kandidaten Österreichs. Doch die Salzburger planen ohnehin die deutsche Bobbahn am Königssee in ihrem Konzept mit ein. Vielleicht könnten die deutschen Sportfunktionäre ihnen auch noch die Eisschnelllaufbahn in Inzell verkaufen. Salzburg hätte dann Spiele der kurzen Wege – und grenzüberschreitende dazu.

0 Kommentare

Neuester Kommentar