Sport : Träumen erlaubt

Heute startet die Saison in Hoppegarten – Galopptrainer Hötger hat nicht nur dort viel vor

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Gut gelaunt in Hoppegarten. Trainer Hardy Hötger freut sich mit Desert Devil auf eine große Zukunft. Foto: Imago
Gut gelaunt in Hoppegarten. Trainer Hardy Hötger freut sich mit Desert Devil auf eine große Zukunft. Foto: ImagoFoto: IMAGO

Berlin – Mittlerweile hat Hardy Hötger realisiert, welches Glück ihm widerfahren ist. „Das war wie ein Sechser im Lotto“, sagt er und beschreibt noch einmal das Telefonat, das er vor ein paar Monaten geführt hat: „Sie sind mein Mann, sagte Marian Ziburske zu mir. Und auch, dass ich Biss hätte und wir beide jung seien. Das passe doch alles sehr gut zusammen.“ Die Folge für den Galopptrainer, der erst Anfang 2010 mit einer Handvoll Pferden in Hoppegarten begonnen hatte, ist mittlerweile in der Stallanlage in der Kiefernallee zu sehen. Der 30 Jahre alte Immobilienunternehmer hat dort 13 Tiere im Training. „Das ist ein Trainer, mit dem man etwas aufbauen kann!“, sagt Ziburske, dem vor allem die Verbindung zu den ostdeutschen Gestüten am Herzen liegt. „Eine Million Euro habe ich in den Galoppsport investiert, dabei auch noch 20 Zuchtstuten in vier Monaten gekauft.“ Bis dahin war der Name seines Unternehmens Westminster, das erst 2008 in Königs Wusterhausen gegründet wurde, als Titelsponsor beim Preis der Deutschen Einheit in Hoppegarten erstmals in Erscheinung getreten. „Das Land Brandenburg ist mir ans Herz gewachsen“, versichert der junge Familienvater aus Forst nahe der polnischen Grenze, „da lag es doch bei meinem Faible für Pferde nah, etwas Großes auch auf diesem Gebiet aufzubauen.“

Ziburske verkörpert damit die Zukunft der Traditionsbahn am Berliner Stadtrand, denn seine Rosse im Kaufwert von 3000 bis 70 000 Euro sind als Zweijährige noch längst nicht rennfertig. „2011 ist für mich ein Übergangsjahr“, sagt deshalb auch Hardy Hötger. So wird man heute zum Saisonauftakt auf der Grasbahn (erster Start um 13.45 Uhr) natürlich noch keinen der Ziburske-Cracks in Aktion sehen. Aus dem Stall von Hötger, in dem derzeit 36 Pferde trainiert werden und in dem es sieben Angestellte gibt, werden mit Readyspice und Silenzio Mo im siebten und im neunten Rennen zwei erfahrene Pferde eingesetzt. Der Hype des Renntages ist ohnehin auf das sechste Rennen (Start um 16.25 Uhr) ausgerichtet, in dem der ungarische Wunder-Sprinter Overdose über die 1000 Meter auf der Geraden Bahn unter Jockey Andreas Suborics seine Vorstellung gibt.

„Ich sehe das ganz entspannt, wir greifen dann ab dem nächsten Jahr voll an“, verspricht Hardy Hötger, der sich dennoch einiges von der neuen Saison verspricht. Die sechs Siege, acht Platzierungen und insgesamt 19 Geldplätze bei 39 Starts, die seine wenigen Pferde im Premierenjahr erreicht haben, hatten dazu geführt, dass auch „kleinere“ Besitzer bei ihm ihre Pferde trainieren lassen. „Da ist sicherlich wieder der eine oder andere Treffer möglich“, sagt Hötger. Die ganz großen Rennstarts jedoch verspricht er sich vom Nachwuchs im Stall. „Ich habe einen Traum“, verrät er schließlich, „ich möchte mal den Prix de l’Arc de Triomphe in Paris gewinnen“, erzählt er, findet dieses äußerst hohe Ziel auch keinesfalls abgehoben. „Warum sollte ich davon nicht träumen dürfen?“, fragt er vorsorglich gleich danach.

Unter den Pferden von Marian Ziburske gibt es schließlich auch einen gewissen Leyland, der eine Nennung für das eigentliche Derby, jenes im englischen Epsom, besitzt. Das ist eine für deutsche Verhältnisse nahezu exotische Tatsache. „Leylands Bruder Collection ist einer der besten Galopper im Turf-Mekka Hongkong“, schrieb dazu die Fachzeitung „Sport Welt“. 8000 englische Pfund war die Einschreibgebühr hoch, für ein Rennen, in dem es letztlich 1,25 Millionen Pfund zu gewinnen gibt. Ob Leyland auch dort starten darf, wird von seiner weiteren Entwicklung und den ersten Rennergebnissen abhängen. Dafür arbeitet Hardy Hötger mit seiner Crew zwölf Stunden täglich, auch für die Starts der frühreifen Zweijährigen bei Herbstklassikern wie den Preisen der Winterkönigin und des Winterkönigs. „Ja, es ist schon ein großes Glück, dass ich nach nur einer Saison in diesen Dimensionen denken darf“, sagt er schließlich.

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