Sport : Träumen in Melbourne

Rainer Schüttler fehlt nach dem Erfolg über Andy Roddick noch ein Sieg zum Gewinn der Australian Open

Benedikt Voigt

Berlin. Die nächsten zwei Tage werden anstrengend für Georg von Waldenfels. Am Freitag um 22.10 Uhr begann der Präsident des Deutschen Tennis Bundes in München eine Flugreise, die erst am Sonntagmorgen um 5.20 Uhr in Melbourne, Australien, beendet sein wird. „Das wird keine Lustreise“, sagte Georg von Waldenfels Stunden vor seinem Abflug. Zumal ihm in Melbourne nicht viel Zeit zum Ausruhen bleibt, um 14 Uhr Ortszeit wartet der nächste Termin auf ihn. In der Rod-Laver-Arena im Flinders Park will der Tennispräsident jenen Mann spielen sehen, für den er die Strapazen spontan auf sich genommen hat: Rainer Schüttler.

So heißt Deutschlands neuer Tennisstar. Rainer Schüttler erreichte am Freitag durch ein 7:5, 2:6, 6:3, 6:3 über den US-Amerikaner Andy Roddick erstmals das Endspiel der Australian Open. Das ist der größte Erfolg für das deutsche Tennis seit Boris Becker 1996 die Australian Open gewann. „Wahnsinn, das ist einer der besten Momente meines Lebens“, sagte Rainer Schüttler, „ich habe die Welt innerhalb von zwei Wochen auf den Kopf gestellt.“ Auch Georg von Waldenfels schwärmte. „Er hat sich eindrucksvoll in die Herzen der deutschen Tennisfans gespielt.“ Im Finale am Sonntag (ab 4 Uhr, live in ARD und Eurosport) kann er seinen Erfolg noch krönen, doch das wird schwierig.

In Andre Agassi wartet der Weltranglistenzweite als Finalgegner, der sich bei diesem Turnier noch keine Schwäche erlaubte. „Er ist einer der größten Tennisspieler, die es je gegeben hat“, sagte Schüttler. Doch er fügte auch hinzu: „Ich habe noch einen Traum – sorry Andre, aber du hast hier schon so oft gewonnen.“ Schüttlers Trainer Dirk Hordorff sagte: „Agassi ist nicht aus einer anderen Welt.“ Dreimal gewann der US-Amerikaner die Australian Open bislang. Schüttlers bestes Erlebnis seiner Karriere war der Gewinn der Doha Open.

Entsprechend unsicher begann der 26-Jährige gegen Roddick. 0:2 lag Schüttler zurück, ehe er sein erstes Aufschlagspiel gewann, und den ersten Satz mit 7:5 für sich entschied. „Am Anfang wird man schon ein bisschen nervös“, sagte Georg von Waldenfels, der das Spiel in München am Fernseher verfolgte. „Aber dann wurde er immer selbstsicherer.“ Nach dem Verlust des zweiten Satzes fing er sich schnell wieder und hetzte Roddick die Grundlinie entlang. Der US-Amerikaner war nach seinem strapaziösen Fünfsatzsieg im Viertelfinale konditionell und körperlich angeschlagen. Vor dem dritten Satz musste sich der 20-Jährige am Handgelenk behandeln lassen, auf das er beim dramatischen Erfolg über den Marokkaner Younes El Aynoui gestürzt war. Trotz dieses Handicaps lobte Roddick den Sieger. „Rainer hat es verdient, er hat angesichts der Umstände sehr klug gespielt.“

In der am Montag erscheinenden Weltrangliste wird Rainer Schüttler Thomas Haas überholt haben und die neue deutsche Nummer eins sein. „Er hat bewiesen, dass er ein Weltklassespieler ist“, sagte Georg von Waldenfels. Wenn dem DTB-Präsidenten jemand vor zwei Wochen gesagt hätte, dass er zu den Australian Open fliegen werde, um ein Finale Andre Agassi gegen Rainer Schüttler zu sehen, hätte er gesagt: „Die Stimme höre ich wohl, allein es fehlt der Glaube.“ Nun ist es Gewissheit.

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