• Träumen und Trainieren - der Titelverteidiger hat hohe Ziele, hohe Kosten und den Ehrgeiz auf höhere Zuschauerzahlen

Sport : Träumen und Trainieren - der Titelverteidiger hat hohe Ziele, hohe Kosten und den Ehrgeiz auf höhere Zuschauerzahlen

Dietmar Wenck

Für den Deutschen Meister Alba Berlin beginnt der Kampf um die erfolgreiche Titelverteidigung am elften Spieltag der Basketball-Bundesliga. Das ist nicht so spät, wie es sich anhört - die Begegnung mit dem TSK Bamberg in der Schmeling-Halle wurde nämlich von Ende Januar 2000 auf den 17. September vorgezogen, vor den regulären Bundesliga-Start. Am liebsten hätten die Berliner sogar schon am 11. September gegen den SSV Weißenfels begonnen, doch das bekam der Aufsteiger organisatorisch nicht hin. Hintergrund der Verlegungen ist folgender: Am 23. September muss Alba zu seinem ersten Europaligaspiel beim Türkischen Meister Tofas Bursa antreten. Vorher wollen die Berliner möglichst viele ernsthafte Tests absolviert haben. Denn sie erwischten mit Bursa, Real Madrid, Panathinaikos Athen, Olimpija Ljubljana und Zalgiris Kaunas erneut eine sehr schwere Gruppe. Und sie haben trotzdem ein sehr hohes Ziel. "Die Erwartungen werden von Jahr zu Jahr größer. Unser Ziel ist das Final Four", sagt Trainer Svetislav Pesic.

Nach einer Saison des Aufbaus mit vielen sehr jungen Spielern, die gleichwohl mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft, des DBB-Pokals und nach völlig missratenem Start mit dem Erhalt des Europaligaplatzes endete, scheint Alba Berlin reif für einen Schritt zurück nach vorn. Immerhin wurde schon 1998 nur knapp das Final Four verpasst. Nun ist die Mannschaft stärker geworden. Frankie King, Ademola Okulaja und Stephan Baeck sind mehr als Ersatz für Kiwane Garris, Franko Nakic und Marko Pesic. Andere, wie die jungen Patrick Femerling, Vladimir Bogojevic und der momentan verletzte Jörg Lütcke, sind um die Erfahrung einer Saison reicher. Svetislav Pesic bemüht sich, die Erwartungen zu bremsen. "Ob die Mannschaft wirklich besser ist, weiß man noch nicht. Eine gute Mannschaft zu bauen, das wird etwas dauern", appelliert der Coach an die Geduld der Fans und sagt doch: "Wir haben unsere Träume." Nun weiß man, dass er sich nicht aufs Träumen verlässt. King kann ein Liedchen von der "großen Intensität des Trainings hier" singen.

Die Verpflichtung des US-Amerikaners hat Alba laut Präsident Dieter Hauert nicht nur rund 200 Seiten Faxpapier, sondern auch ein stolzes Sümmchen gekostet. Der Verein musste schnell reagieren, als der vorgesehene Brooks Thompson verletzt ausschied. "Die Mannschaft ist teurer geworden, was wir vermeiden wollten", sagte Hauert. Ein Grund dafür ist auch die Verletzung Lütckes, für den Baeck nach Berlin zurückkehrte. Alba unternimmt nun einiges, um seine Einnahmen zu erhöhen. Der Marketing-Partner Peter Henke hat dazu bereits beigetragen, mit der Berlikomm (Telekommunikation) und der Steubing AG (Wertpapiergeschäfte) wurden zwei neue Sponsoren gewonnen. Die Bewag zahlt erheblich mehr als bisher und taucht nun auf den Trikothosen des Teams auf. Nicht auszuschließen, dass sich das Unternehmen über kurz oder lang bis zur Brust hocharbeitet.

Mit besserem Service will der Verein, der sich in Kürze für passive, später auch für aktive Mitglieder öffnet, außerdem seine Zuschauerzahlen erhöhen. Der Vorverkauf wird ausgeweitet, an mehr Theaterkassen und über das Internet werden Tickets erhältlich sein. Alba verstärkt seine Präsenz in Schulen Berlins und Brandenburgs. Mit einem neuen Konzept sollen sowohl die treuen Fans als auch Leute, die bisher nicht zum Basketball gehen, angesprochen werden. Alles steht unter dem Stichwort größere Identifikation.

Doch an einem hat sich nichts geändert. Ohne sportlichen Erfolg ist alles viel schwerer. Auch deshalb beginnt für Alba der Kampf um die Titelverteidigung am elften Bundesliga-Spieltag.

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